Korea : Handschlag zwischen Koreas Staatschefs

Pjöngjangs Diktator empfängt den südkoreanischen Präsidenen Roh. Hoffnung auf eine Lösung gibt es auch im Atomstreit mit den USA.

Till Fähnders[Schanghai]

Auf der seit mehr als 60 Jahren geteilten koreanischen Halbinsel gibt es symbolische Schritte Richtung Frieden. Als erster Präsident überquerte Südkoreas Roh Moo Hyun am Dienstag zu Fuß die wohl am schwersten bewachte Grenze der Erde in den Norden. „Die Koreaner haben angesichts dieser Grenze schon zu viel gelitten“, sagte Roh nach Agenturberichten, als er aus seinem kugelsicheren Mercedes stieg und über die Demarkationslinie ging. „Diese Linie wird schrittweise ausgelöscht und die Mauer wird fallen.“

Roh Moo Hyun, der nur noch wenige Monate im Amt bleibt, wollte bei seinem Besuch für eine Friedensordnung zwischen den beiden Staaten werben. Nach dem Koreakrieg 1950–53 hatten Nord- und Südkorea lediglich ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen. Formell befinden sie sich immer noch im Kriegszustand. Der historische Gipfel soll heute mit einem gemeinsamen Statement enden. Laut Agenturangaben vom Mittwoch könnte darin auch eine „Friedenserklärung“ enthalten sein.

Ein formeller Friedensvertrag ist allerdings ohne Washington nicht denkbar, da Nordkorea die USA als eigentlichen Feind betrachtet. Die Amerikaner haben sich unter der Bedingung bereit erklärt, dass Kim Jong Il auf sein Atomwaffenprogramm verzichtet. Dafür gibt es neue Hoffnungen. Am Mittwoch machte Peking ein Dokument über einen Plan bekannt, nach dem Nordkorea bis zum 31. Dezember die Atomanlage Yongbyon unbrauchbar machen und alle Nuklearaktivitäten offenlegen will. US-Präsident Bush lobte am Abend die Erklärung, die als Durchbruch im Tauziehen um Nordkoreas Atomambitionen gelten kann.

Solch konkrete Ergebnisse sind für den letzten Tag des Nord-Süd-Gipfels nicht zu erwarten. Aber in dem verhärteten Konflikt sind Symbole alles. Laut Agentur Yonhap hat vor allem Rohs Grenzüberschreitung bei den Nordkoreanern, die ständig der Propaganda des stalinistischen Regimes ausgesetzt sind, Eindruck gemacht: „Die Arbeiter in Pjöngjang sprachen auf dem Heimweg über die Gesichter von Roh und seiner Frau und welche Gesten sie machten, als sie an die Grenze traten“, wurde eine pjöngjangfreundliche Zeitung aus Japan zitiert. Auf dem Weg war Roh von hunderttausenden Nordkoreanern mit Plastikblumen begrüßt worden, in Pjöngjang schmetterte Marschmusik. Nordkoreas „Geliebter Führer“ Kim Jong Il empfing Roh per Handschlag. Das kam überraschend, denn der 65 Jahre alte, exzentrische Dikator gilt als öffentlichkeitsscheu. Diesmal ließ Kim sich gar zu Scherzen hinreißen: „Wie kann ich, der ich kein Patient bin, zu Hause faulenzen, wenn der Herr Präsident hergekommen ist?“, soll er gefragt haben.

Roh bedankte sich bei dem filmverrückten Diktator angeblich mit DVDs einer südkoreanischen TV-Serie. Beide Seiten wollten auf keinen Fall das weichgezeichnete Bild trüben. Denn erst zum zweiten Mal trafen sich die Machthaber der Staaten, zuletzt war der ehemalige Präsident Kim Dae Jung vor sieben Jahren nach Pjöngjang geflogen. Der damalige Besuch hatte die teilweise Öffnung Nordkoreas für Touristen ermöglicht.

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