• Korea-Konflikt: Deutsche Reisediplomatie: Bundestagsabgeordnete signalisieren Nordkorea erste Tauwetter-Phase

Politik : Korea-Konflikt: Deutsche Reisediplomatie: Bundestagsabgeordnete signalisieren Nordkorea erste Tauwetter-Phase

Matthias Meisner

Arnold Vaatz war in Pjöngjang hoch willkommen. In der nordkoreanischen Hauptstadt traf der CDU-Bundestagsabgeordnete mehrere Vize-Minister und auch den stellvertretenden Vorsitzenden des Parlaments. "Das war protokollarisch hoch angebunden", kokettiert der frühere DDR-Bürgerrechtler im Gespräch mit dem Tagesspiegel: "Das hätten die nicht machen müssen."

An der Seite von Rupert Neudeck hat Vaatz Mitte Juli das noch immer weitgehend abgeschottete Land bereist. Neudeck, Chef der Hilfsorganisation Cap Anamur und in der Katastrophenhilfe aktiv, will in Korea weitere Krankenhäuser in abgelegenen Landesteilen ausrüsten. Für den sächsischen Abgeordneten Vaatz, als Querkopf in seiner Bundestagsfraktion bekannt, gab das Gelegenheit zur Reisediplomatie der besonderen Art.

Nach der Rückkehr von der Inspektionsreise berichtet Vaatz von der katastrophalen Versorgungslage in der kommunistischen Dynastie, aber auch von der Bewegung in den politischen Verhältnissen. Die Lage ändere sich "für dortige Verhältnisse mit nahezu rasender Geschwindigkeit". Der CDU-Politiker: "Es gibt dort eine gut versorgte Oberschicht. Die bangt um ihre Privilegien. In der Führung gibt es eine Kräftekonstellation, die sieht, dass es so nicht weitergeht."

"Noch fernab der Normalität"

Dem Auswärtigen Amt verkündete der Hinterbänkler nach Rückkehr vom Interesse Nordkoreas, mit Deutschland diplomatische Beziehungen - ein Ansinnen, das in Joschka Fischers Behörde äußerst reserviert aufgenommen wird: "Wir sind noch fernab von Normalität." Doch der Polit-Tourismus scheint nicht mehr aufzuhalten: Vergangene Woche fuhr der CDU-Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer nach Nordkorea.

Dass ausgerechnet Abgeordnete der Union die Kontakte nach Pjöngjang pflegen, hat Tradition. Sie reicht in Zeiten zurück, als von vorsichtiger Öffnung der kommunistischen Bastion, von geplantem Coca-Cola-Import, Touristengruppen aus dem Süden und einer Begegnung der Staatsführer Nord- und Südkoreas nicht die Rede sein konnte.

Gleich zweimal, 1995 und 1997, besuchte Peter Ramsauer, heute Parlamentsgeschäftsführer der CSU, das abgeschottete Land. 1996 reiste der damalige CSU-Abgeordnete und Rüstungslobbyist Erich Riedl. Die Umstände dieser Touren waren stets merkwürdig. Ramsauer hielt nach Rückkehr von seiner Reise 1997 in einem internen Vermerk für das damals von Carl-Dieter Spranger (CSU) geführte Entwicklungshilfeministerium fest: "Das Straßenbild wird von gut ernährten, lebhaften Kindern geprägt". Die Hungerkatastrophe in dem Land werde in Berichten "vollkommen überzeichnet". Karitative Organisationen, die in Nordkorea um Linderung der Not bemüht sind, klagten anschließend verärgert über "Wahrnehmungsstörungen" des CDU-Politikers.

Der Führung in Pjöngjang ist jedes Mittel recht, um dem Land zu internationalem Ansehen zu verhelfen. Selbst Neonazi-Gruppen wurden empfangen, die anschließend in Berichten an ihre Gesinnungsgenossen in Deutschland über "Sauberkeit" und "Disziplin" in Nordkorea schwärmten. Der Filmkenner Johannes Schönherr aus Nürnberg ließ sich im vergangenen Jahr nach Pjöngjang einladen. Als "sehr bizarr" empfand er die Reise, anschließend tourte er jedoch mit einer Auswahl nordkoreanischer Streifen durch Programmkinos in Deutschland, Italien und Schweden. "Paradies am Ende der Welt", lautete der Titel der Film-Revue.

Außenpolitische Aufwertung erwünscht

Doch Zeiten sind nah, zu denen die deutsch-nordkoreanische Annäherung über das illustre Spektrum hinausreichen wird - der dringende Wunsch der Nordkoreaner nach außenpolitischer Aufwertung scheint sich zu erfüllen. Im April traf sich der grüne Staatsminister Ludger Volmer in Berlin mit Pjöngjangs Außenminister Paek Nam Sun. Und der frühere Hamburger Bürgermeister Hans-Ulrich Klose, Chef des Auswärtigen Ausschusses im Parlament, lässt sich regelmäßig von Kim Chang Ryong, dem Leiter der nordkoreanischen Interessenvertretung in Deutschland, unterrichten. Der Höhepunkt der Tauwetter-Phase scheint noch bevorzustehen: Im Herbst will Klose mit Bundestagsabgeordneten nach Pjöngjang reisen.

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