Korruption : Südkoreas Ex-Präsident springt in den Tod

Korruptionsermittlungen scheinen Roh Moo Hyun in den Selbstmord getrieben zu haben. Ende April war er 13 Stunden lang verhört worden. Nun ist er von einer Klippe gesprungen.

Bernhard Bartsch[Peking]
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Absturz eines Hoffnungsträgers. Der Ex-Bürgerrechtler Roh Moo Hyun war von 2003 bis 2008 Präsident Südkoreas. -Foto: dpa

Südkoreas ehemaliger Präsident Roh Moo Hyun hat am frühen Samstagmorgen Selbstmord begangen. Der 62-Jährige sprang in den Bergen nahe seines Heimatdorfes Bongha von einer Klippe. Südkoreanische Medien brachten seinen Freitod umgehend mit einer Reihe von Korruptionsfällen in Verbindung, in die sich Roh nach dem Ende seiner fünfjährigen Amtszeit im Februar 2008 verstrickt hatte. Gegen den ehemaligen Bürgerrechtler, der mit dem Versprechen angetreten war, die „Präsidentschaft zu säubern“, wurde wegen Bestechung in Millionenhöhe ermittelt. Zwar bestritt Roh die Vorwürfe, musste kürzlich aber zugeben, dass seine Frau und eine Nichte Schmiergelder angenommen hatten.

In der Hauptstadt Seoul löste Rohs Tod Bestürzung aus. Tausende Menschen trafen sich zu spontanen Gedenkveranstaltungen, Zeitungen druckten Sonderausgaben. Sein Nachfolger Lee Myung Bak ließ durch einen Sprecher erklären, Rohs Ende sei „traurig und tragisch“. Schon bald nach den ersten Meldungen bestätigten die Polizei und Rohs ehemaliger Stabschef Moon Jae In, dass es sich um einen Selbstmord gehandelt und Roh auf seinem Computer einen Abschiedsbrief an seine Familie hinterlassen habe. Er hinterlässt seine Frau Kwon Yang Sook und zwei Kinder.

Roh war im Morgengrauen mit einem Bodyguard in die Berge gegangen und dort um sechs Uhr vierzig in die Tiefe gesprungen. Drei Stunden später erlag er in einem Krankenhaus in der südkoreanischen Stadt Busan seinen Kopfverletzungen. Medienberichten zufolge soll der Ex-Präsident in seinem letzten Brief geschrieben haben: „Der Schmerz, den ich so vielen Menschen bereitet habe, ist zu groß.“ Die Ermittlungen gegen ihn seien „sehr schmerzhaft“ gewesen und sein weiteres Leben wäre „nur noch eine Bürde für andere Menschen“. Er verfügte, dass sein Leichnam eingeäschert und in seinem Heimatdorf in einem Grab mit einem kleinen Gedenkstein beigesetzt werden soll.

Roh war 1946 als Sohn armer Bauern geboren worden. Schon als Schüler organisierte er Demonstrationen gegen die Militärdiktatur. Nach seinem Schulabschluss arbeitete er in Gelegenheitsjobs und brachte sich nebenbei im Heimstudium Jura bei. 1975 bestand er die Anwaltsprüfung. Seine Karriere als Verteidiger in Menschenrechtsfällen begann 1981, als er eine Gruppe von Studenten vertrat, die wegen des Besitzes von umstürzlerischen Schriften gefoltert worden waren. 1987 wurde er wegen der Unterstützung eines illegalen Streiks selbst für drei Wochen eingesperrt. Ein Jahr später ging Roh in die Politik und machte sich als Kämpfer gegen Korruption und Regionalismus einen Namen. 2003 gewann er mit einem von nationalistischem Populismus geprägten Wahlkampf überraschend die Präsidentschaft. Seine Regierungszeit war geprägt von internen Machtkämpfen und einem gescheiterten Amtsenthebungsverfahren, die das Land politisch zeitweise lähmten.

Außenpolitisch führte Roh die Sonnenscheinpolitik gegenüber Nordkorea fort, ohne jedoch eine echte Annäherung bewirken zu können. Er verließ Seouls „blaues Haus“ mit niedrigen Beliebtheitswerten.

Nach seinem Ausscheiden aus der Politik zog sich Roh in sein Heimatdorf zurück, blieb jedoch durch eine Reihe von Skandalen in der Öffentlichkeit präsent. Zunächst warfen Ermittler ihm vor, hunderte Festplatten aus dem Präsidentenbüro entwendet zu haben. Nach monatelangen Verhandlungen gab Roh das Material zurück. Außerdem stand Roh im Zentrum mehrerer Bestechungsskandale. Sein älterer Bruder wurde deswegen vergangene Woche zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Auch mehrere Ex-Mitarbeiter und Vertraute gerieten ins Visier der Fahnder. Zuletzt wurde gegen Roh ermittelt, weil er während seiner Amtszeit mehr als sechs Millionen Dollar von einem Schuhunternehmer angenommen haben soll. Ende April wurde er von der Staatsanwaltschaft 13 Stunden lang verhört. Das Justizministerium erklärte jedoch noch am Samstag, die Ermittlungen würden nach Rohs Freitod nun eingestellt.

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