Politik : Korruptionsprozess: Suharto erscheint nicht vor Gericht

Nach der erneuten Vertagung des Korruptionsprozesses gegen Indonesiens Ex-Präsidenten Suharto ist es am Donnerstag in der Hauptstadt Jakarta zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Studenten und der Polizei gekommen. Hunderte von Demonstranten versuchten, zur Residenz Suhartos zu marschieren, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Als die Polizei sich ihnen in den Weg stellte, warfen einige Studenten mit Steinen und Molotow-Cocktails, die Polizei setzte Tränengas ein.

Der Korruptionsprozess gegen Suharto war kurz zuvor zum zweiten Mal vertagt worden, weil der 79-Jährige nicht vor Gericht erschien. Richter Lalu Mariyun forderte die Staatsanwaltschaft auf, beim nächsten Prozesstermin Ende September für Suhartos Erscheinen zu sorgen. Die Anwälte des Ex-Präsidenten verweisen auf medizinische Gutachten, wonach Suharto verhandlungsunfähig ist.

Dem ehemaligen Staatschef wird vorgeworfen, während der 32 Jahre seiner Herrschaft umgerechnet 1,3 Milliarden Mark veruntreut und seinen Familienangehörigen und Freunden zugeschanzt zu haben. Ihm droht lebenslange Haft. Präsident Abdurrahman Wahid stellte jedoch bereits die Begnadigung seines Vorgängers in Aussicht. Mit Massenprotesten, an deren Spitze Studenten standen, hatte die Bevölkerung 1998 Suhartos Rücktritt erzwungen.

Unterdessen erhärtete sich nach dem verheerenden Bombenanschlag auf die Börse in Jakarta der Verdacht, dass Anhänger von Ex-Präsident Suharto die Bombe gelegt haben könnten. Staatspräsident Wahid wies die Streitkräfte an, sich in die Ermittlungen einzuschalten, falls sich herausstellen sollte, dass militärische Extremisten in die Tat verwickelt sind. Bei der Explosion einer Autobombe in der Tiefgarage der Börse waren am Mittwoch 15 Menschen getötet und 27 weitere verletzt worden.

Wahid wies ferner den Generalstaatsanwalt und die Staatspolizei an, "eine Reihe von Namen" zu prüfen, die mit dem Anschlag in Verbindung gebracht werden, sagte Kabinettssekretär Marsilam Simandjuntak. Er nannte keine Namen von potenziell Verdächtigen. Es wurde aber vermutet, dass es Militäroffiziere oder Politiker sein könnten, die Ex-Präsident Suharto (79) unterstützen. Generalstaatsanwalt Marzuki Darusman sagte, die Streitkräfte wollten sich den polizeilichen Untersuchungen anschließen, um die Möglichkeit auszuschließen, dass Ermittler im Falle von Beweisspuren vor weiteren Nachforschungen bei extremistischen Militärs zurückschrecken.

Der Anschlag auf die Börse, der die Rupiah um etwa fünf Prozent fallen ließ, hatte sich knapp 24 Stunden vor der Wiederaufnahme eines Korruptionsprozesses gegen Suharto ereignet. Die Tat könnte von Suharto nahe stehenden militärischen Extremisten verübt worden sein, die das Verfahren gegen den 79-jährigen Angeklagten stören wollen. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es in Jakarta und anderen indonesischen Städten eine Reihe noch nicht aufgeklärter Anschläge gegeben.

Nach der schweren Bombenexplosion in der Tiefgarage der Börse von Jakarta gingen am Donnerstag weitere Bombendrohungen in der indonesischen Hauptstadt ein. Die staatliche Bank Mandiri teilte mit, sie habe zwei Bombendrohungen erhalten. Ihr Hauptgebäude in Jakarta sei daraufhin evakuiert worden. Bombenexperten durchsuchten das Haus, das sich in der Nähe der Börse befindet. Das Büro der Börse von Surabaya in Jakarta erhielt nach eigenen Angaben am Donnerstag vier Bombendrohungen.

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