Korruptionsverdacht : 150.000 Dollar für Premier Ehud Olmert

Nach tagelangen Polizeiverhören hat der Geschäftsmann Talansky in einer Art Vorverhandlung vor dem Jerusalemer Distriktsgericht seine Aussagen im Korruptionsfall gegen Ehud Olmert gemacht - und diesen damit weiter in Bedrängnis gebracht.

Charles A. Landsmann

Tel Aviv150 000 Dollar in 15 Jahren Bekanntschaft. Diese Summe will der jüdisch-amerikanische Geschäftsmann und Spendensammler Morris Talansky dem heutigen israelischen Premier Ehud Olmert während dessen Amtszeiten als Jerusalemer Bürgermeister und danach als Industrie- und Handelsminister immer nur in bar ausgezahlt haben. Olmert habe über seinen Freund Uri Messer in einem Fall zusätzliche 300 000 Dollar angefordert. Doch er, Talansky, habe sich verweigert.

Nach tagelangen Polizeiverhören hat Talansky am Dienstag in einer Art Vorverhandlung vor dem Jerusalemer Distriktsgericht seine Aussagen im Korruptionsfall gegen Ehud Olmert gemacht und diesen damit weiter in Bedrängnis gebracht. Die frühzeitigen Aussagen bevor überhaupt ein formelles Verfahren eröffnet ist, fanden statt, um Talansky eine baldige Heimreise zu ermöglichen – und weil keine Garantie besteht, dass er sich zum eigentlichen Prozess wieder einfindet, sofern ein solcher stattfindet.

Generalstaatsanwalt Mosche Lador erklärte in einer Verhandlungspause, dass noch keine Entscheidung gefallen sei, ob die Akte geschlossen oder Anklage erhoben werde und welcher Art Letztere sein könnte. Nachdem Talansky erklärte, er habe keinerlei Gegenleistung von Olmert erwartet oder erhalten, dürfte die schlimmste Beschuldigung, diejenige der Korruption, sich wohl nicht in der eventuellen Anklageschrift niederschlagen.

Was die Wahlkampffinanzierung angeht, so verbietet das Gesetz ausdrücklich die Übergabe von Bargeld, auf der Olmert bestand. Auch fehlen die vorgeschriebenen schriftlichen Unterlagen über die Spendengeber und -summen – welche im Einzelfall nur sehr gering ausfallen dürfen – sowie die Meldungen darüber an den Staatskontrolleur. Für ähnliche Vergehen sitzt derzeit Omri Scharon, Sohn und Wahlkampfmanager des Olmert-Vorgängers Ariel Scharon und Ex-Abgeordneter, in mehrmonatiger Haft.

Olmert spricht bei dieser Affäre von Wahlkampfspenden und wehrt sich gegen den Vorwurf der Bestechlichkeit und der Korruption. Charles A. Landsmann

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