Korruptionsverdacht : Gouverneur von Illinois festgenommen

Schon seit drei Jahren schwelte der Korruptionsverdacht gegen Rod Blagojevich. Als Ermittler nun die Erlaubnis erhielten, die Telefongespräche des Gouverneurs abzuhören, fanden sie die notwendigen Beweise: Für über 500.000 Dollar wollte er die Senatsnachfolge von Barack Obama verkaufen.

Rod Blagojevich
Rod Blagojevich stand schon seit längerem in Verdacht, keine ganz saubere Weste zu haben. -Foto: dpa

WashingtonDer Gouverneur des US-Bundesstaates Illinois, Rod Blagojevich, ist wegen Korruptionsverdachts im Zusammenhang mit der Senatsnachfolge von Barack Obama festgenommen worden. Dem 51-Jährigen wird der Versuch angelastet, den freiwerdenden Sitz des künftigen US-Präsidenten in der Kongresskammer zu verkaufen, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Der Gouverneur habe aus seinem Recht, einen Nachfolger für den scheidenden Senator zu bestimmen, persönlichen Profit schlagen wollen. Neben Blagojevich wurde auch dessen Stabschef John Harris festgenommen.

Nach einem Bericht der Zeitung "Chicago Tribune" ermittelt die US- Bundespolizei FBI bereits seit drei Jahren wegen Korruptionsverdacht gegen Blagojevichs Regierung. Ermittler hätten die Erlaubnis erhalten, Telefonate des demokratischen Gouverneurs abzuhören. Anlass sei der Verdacht gewesen, dass es beim Auswahlverfahren für die Obama-Nachfolge zu Rechtsverstößen gekommen sei, hieß es.

"Das Ausmaß der Korruption ist atemberaubend"

In einem abgehörten Telefonat berichtet Blagojevich von einem Angebot über 500.000 Dollar (388.000 Euro), sollte er einen bestimmten Kandidaten für den Sitz nominieren. Darüber hinaus sei als Gegenleistung auch ein gut bezahlter Posten in einer gewerkschaftsnahen Organisation im Gespräch gewesen. "Das Ausmaß der in den Anklagepunkten dargelegten Korruption ist atemberaubend", sagte der Staatsanwalt für den Bezirk Illinois-Nord, Patrick Fitzgerald. "Die Bürger von Illinois verdienen Beamte, die im öffentlichen Interesse handeln, ohne dass Preisschilder an Nominierungen, Verträge und Entscheidungen geheftet werden."

Dem Gouverneur wird darüber hinaus vorgeworfen, der angeschlagenen Tribune-Mediengruppe dringend benötigte Staatshilfen vorenthalten zu haben. Überdies soll Blagojevich die Entlassung von Redakteuren der Zeitung "Chicago Tribune" unterstützt haben, die sich mit deutlicher Kritik an dem Gouverneur zu Wort gemeldet hatten. Die Tribune-Gruppe hatte am Montag unter der Last von Milliardenschulden ein Insolvenzverfahren und Gläubigerschutz beantragt.

Gegen Obama besteht kein Verdacht

Der designierte US-Präsident Barack Obama hat sich betrübt über den Korruptionsskandal um die Neubesetzung seines Senatssitzes geäußert, der zur Festnahme des Gouverneurs von Illinois geführt hat. "Wie der Rest der Menschen in Illinois bin ich betrübt und ernüchtert über diese Nachricht", sagte Obama am Dienstag am Rande eines Treffens mit dem früheren Vizepräsidenten Al Gore in Chicago.

Obama betonte, dass er "keinen Kontakt zum Gouverneur oder seinem Büro" gehabt habe. "Ich hatte keine Kenntnis darüber, was passiert ist." Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen wollte er sich nicht näher zu dem Fall äußern. "Es wäre nicht angemessen, wenn ich zu diesem Zeitpunkt einen Kommentar zu dem Fall abgäbe", sagte er. Gegen den designierten Präsidenten besteht nach Angaben der Staatsanwaltschaft kein Verdacht.

Der unter Korruptionsverdacht festgenommene Gouverneur Rod Blagojevich wurde unterdessen gegen Kaution freigelassen. Der Demokrat hinterlegte nach Justizangaben am Dienstag eine Kaution von 4500 Dollar (3490 Euro) und konnte das Gerichtsgebäude verlassen, in dem er zuvor angehört worden war. Auf öffentliche Äußerungen verzichtete er. (ah/dpa)

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