Kosovo : Nato bringt Mitrovica unter Kontrolle

Eine Welle der Gewalt brach in der von Serben bewohnten Stadt Kosovska Mitrovica aus. UN-Soldaten wurden mit schweren Waffen angegriffen. Nun bringt die internationale Schutztruppe Kfor die Lage in der Stadt unter Kontrolle.

Kosovo Mitrovica
Brennende UN-Autos in Kosovska Mitrovica. -Foto: AFP

Kosovska MitrovicaAlle Straßen in Richtung Mitrovica seien geschlossen und würden von Kfor-Verbänden kontrolliert, berichtet Kfor-Sprecher Etienne Du Fayet in Pristina. Vor dem umkämpften Kreisgericht hielten sich nur noch rund 100 Serben auf, sagte der Offizier. Bei den gewalttägigen Protesten aufständischer Serben in Kosovska Mitrovica wurden mehr als 100 Menschen verletzt. Die UN-Polizei ordnete den Rückzug ihrer Einheiten aus dem hauptsächlich von Serben bewohnten Norden der geteilten Stadt an. Zuvor war auf die internationalen Sicherheitskräfte geschossen worden. Auslöser war die Stürmung eines der beiden UN-Gerichte, die serbische Demonstranten am Freitag besetzt hatten, durch internationale Sicherheitskräfte. Russland forderte angesichts der Ausschreitungen die Rückkehr an den Verhandlungstisch.

UN-Polizisten und Soldaten der Kosovo-Schutztruppe Kfor hatten das Gerichtsgebäude in den frühen Morgenstunden umstellt, außerdem waren Panzer aufgefahren. Bei der Stürmung nahmen die Sicherheitskräfte 53 Besetzer fest. Etwa 100 aufgebrachte Serben bewarfen die Polizisten daraufhin mit Steinen und Molotow-Cocktails, mehrere UN-Fahrzeuge gingen in Flammen auf. Die Demonstranten brachten mindestens einen Gefangenentransporter in ihre Gewalt und befreiten einige der festgenommenen Besetzer. Die UN-Polizei setzte Tränengas ein.

Hundert Verletzte

Bei einer Explosion in der Nähe des Gerichts wurden mehrere Kfor-Soldaten verletzt. Der kosovarische Polizeisprecher vermutete, dass eine Handgranate in den Hof des Gerichtes geworfen worden sei. AFP-Mitarbeiter berichteten von Schusswechseln. Einige Stunden nach dem Beginn des Einsatzes zogen sich die UN-Einheiten aus dem Norden von Kosovska Mitrovica zurück. Mindestens 80 Serben wurden nach Krankenhausangaben bei den Ausschreitungen verletzt. Außerdem erlitten mindestens acht Kfor-Soldaten und mehr als 20 UN-Polizisten Verletzungen, die meisten kamen nach Angaben eines Polizeisprechers in Warschau aus Polen. Deutsche Soldaten waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin nicht an dem Einsatz beteiligt.

Russland forderte, die internationalen Gespräche über den Status des Kosovo wieder aufzunehmen. Die Lage in der früheren serbischen Provinz könne sich nur normalisieren, wenn der Kosovo-Prozess in den Rahmen des Völkerrechts zurückgeführt werde, erklärte das Verteidungsministerium in Moskau. Serbiens Präsident Boris Tadic warnte die Einheiten von Uno und Nato vor einer "überzogenen Reaktion", die die Gewalt weiter anheizen würde.

Europäer rufen zur Ruhe auf

Die Europäische Kommission zeigte sich "sehr beunruhigt" über den Gewaltausbruch und rief die Serben zur Zurückhaltung auf. "Wir bedauern die Angriffe gegen UN-Polizisten und Kfor-Soldaten", erklärte ein Sprecher in Brüssel. Großbritannien verurteilte die "gewaltsamen Aktionen gegen UN- und Nato-Mitarbeiter" scharf. "Wir rufen alle Seiten auf, auf Gewalt zu verzichten", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in London.

Im Nordteil von Kosovska Mitrovica leben 20.000 Angehörige der serbischen Minderheit des Kosovo, während im Südteil 80.000 Albaner leben. Die Stadt war immer wieder Ausgangspunkt für Unruhen zwischen den Bevölkerungsgruppen des Kosovo. Seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo von Serbien ist die Anspannung in Kosovska Mitrovica groß. Täglich versammeln sich hunderte serbische Demonstranten vor der Brücke über den Fluss Ibar, der die beiden Stadtteile voneinander trennt.

Mehr als 20 Staaten, darunter auch die USA und Deutschland, haben die Unabhängigkeit des Kosovo inzwischen anerkannt. Heftiger Widerstand kommt aus Serbien und Russland. (mhz/AFP/dpa)

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