Kosovo : Pristina blockt Serben-Vorschlag ab

Im Tauziehen um die Zukunft des Kosovo hat Pristina ein Angebot Serbiens abgelehnt, das einen Status nach dem Vorbild Hongkongs vorsah.

Die Verhandlungen über den künftigen Status der serbischen Provinz Kosovo stecken in der Sackgasse. Bei den Gesprächen der sogenannten UN-Troika mit den Regierungsspitzen Belgrads und Pristinas lehnten die Kosovo-Albaner einen serbischen Vorschlag ab, den völkerrechtlichen Status der seit 1999 von den UN verwalteten Provinz nach dem Vorbild Hongkongs zu lösen. Die britische Kronkolonie hatte im Rahmen jahrelanger Verhandlungen zwischen London und Peking nach der Rückgabe an China 1997 einen Status erhalten, der ihr zeitlich befristet weitgehende Selbstständigkeit gewährt.

Der russische Vertreter innerhalb der Troika, Alexander Bozan-Chartschenko, meinte nach den Wiener Gesprächen, "prinzipiell gibt es noch eine Chance für eine Lösung (durch diesen Verhandlungsprozess), aber die Chancen sind sehr gering."

Der für die EU sprechende deutsche Verhandlungsleiter, Wolfgang Ischinger, hatte nach dem Treffen im Wiener Außenministerium gemeint, ungeachtet der schwierigen Gespräche werde man bis zum 10. Dezember weiter nach einer Verhandlungslösung suchen. An diesem Tag müssen die Unterhändler der Troika (EU, Russland und USA) UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Vorschläge für eine diplomatische Beendigung des Konflikts unterbreiten. "Wir wollen beweisen, dass die Troika umfassende und äußerst intensive Anstrengungen unternommen hat, eine Lösung (für den Konflikt) zu finden."

Tadic: "Nichts Nennenswertes erreicht"

Der serbische Präsident Boris Tadic sagte nach dem Treffen vor Journalisten: "Leider kann ich nicht sagen, dass wir irgendetwas Nennenswertes erreicht hätten". Die Kosovo-Albaner hätten versucht, "auf der Basis zweier unabhängiger Staaten mit uns zu verhandeln". Serbien lehnt die Unabhängigkeit für den Kosovo weiter energisch ab.

Nach dem Treffen hatte bereits der Sprecher der kosovo-albanischen Verhandlungsdelegation, Skender Hyseni, von einem Scheitern des serbischen Hongkong-Vorschlags gesprochen. Das von Belgrad vorgeschlagene Modell sei für Pristina nicht annehmbar, meinte er.

Der deutsche Verhandlungsführer der Troika (USA, EU und Russland), Wolfgang Ischinger, wollte den serbischen Vorschlag am Abend nicht kommentieren. Er glaube allerdings nicht, dass die Regierung in Pristina noch vor dem Abschluss der 120-tägigen Verhandlungsphase der UN eigenmächtige Schritte unternehmen werde. Die Kosovo-Albaner haben wiederholt mit der Ausrufung der Unabhängigkeit gedroht, falls es mit Serbien zu keiner Einigung kommt. (mit dpa)

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