Kosovo-Troika : "Wir werden jeden Schritt abstimmen"

Der künftige Ministerpräsident des Kosovos, Hashim Thaci, übt sich in Zurückhaltung. Er will die Unabhängigkeit der abtrünnigen serbischen Provinz erst nach Konsultationen mit den USA und der EU erklären.

Brüssel"Wir werden nach dem 10. Dezember über die Unabhängigkeit entscheiden, gemeinsam mit den USA und mit der EU", sagte er. Thaci nahm an Gesprächen teil, bei denen die Kosovo-Troika (EU, Russland, USA) mit Politikern der Kosovo-Albaner und Serbiens nach einer Einigung über den künftigen Status des Kosovos sucht. Am Wochenende hatte Thacis Partei bei Parlamentswahlen gesiegt, die von der serbischen Minderheit boykottiert worden waren.

Erst am Montag hatten die EU-Außenminister die Kosovaren vor einer raschen einseitigen Unabhängigkeitserklärung gewarnt. Die Troika müsse jede Chance nutzen können, um zu einer Verhandlungslösung zu kommen. Am 10. Dezember sollen die Spitzendiplomaten der Troika UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Bericht erstatten. Auch der Präsident des Kosovos, Fatmir Sejdiu, sagte: "Wir werden jeden Schritt, den wir tun, mit der internationalen Gemeinschaft abstimmen." Pristina habe allergrößtes Interesse daran, dass seine Unabhängigkeit von den großen Staaten anerkannt werde.

EU: Notfalls ohne Resolution

Russland, das traditionell enge Beziehungen zu Serbien hat, hatte im Juli mit einer Vetodrohung im UN-Sicherheitsrat eine Abstimmung über den Vorschlag des UN-Sonderbeauftragten Martti Ahtisaari für eine Unabhängigkeit unter internationaler Aufsicht verhindert. Serbien lehnt die Unabhängigkeit des Kosovos, dessen Bewohner zu 95 Prozent albanischstämmig sind, nachdrücklich ab. Die USA sind für die Unabhängigkeit, die 27 EU-Staaten sind mehrheitlich ebenfalls dafür. Allerdings haben einige Staaten wie Zypern oder Griechenland Bedenken, weil sie einen Präzedenzfall für Unabhängigkeitswünsche anderer Minderheiten fürchten.

Die EU hatte am Montag erklärt, sie werde notfalls auch ohne Resolution des Sicherheitsrates über die Unabhängigkeit des Kosovos entscheiden, falls das UN-Gremium nicht zu einer Entscheidung komme. "Wenn es zwischen den Mitgliedern des Sicherheitsrates keine Einigung gibt, dann muss das Leben weitergehen", sagte EU-Chefdiplomat Javier Solana. "Das ist nicht das Ende der Welt." Die EU sei immer für eine UN-Resolution über das Kosovo gewesen. "Aber das liegt nicht an uns." Russland hat mehrfach erklärt, Voraussetzung für eine Entscheidung des UN-Sicherheitsrates sei eine Einigung zwischen den Konfliktparteien. (mit dpa)

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