Politik : Kräftiger Beifall für harten Kurs

Robert Birnbaum

Berlin - Wieso er jetzt, wo er über die Gesundheitsreform spricht, gerade auf Ingolstadt kommt, sagt Laurenz Meyer, das wisse er nicht. Bloß weil der Horst Seehofer da wohnt – bestimmt nicht! Es passt halt so mit dem Beispiel vom Audi-Facharbeiter aus Ingolstadt, der, sagt der CDU-General, mit seinem Krankenkassenbeitrag die ganze Kindermitversicherung finanziert und den Sozialausgleich dazu. „Das ist ein sozialer Skandal“, ruft Meyer. „Und wer das ändern will, der muss für unser Modell sein!“

Wenn es am Freitagabend nach der ersten Verhandlungsrunde zwischen CDU und CSU über ihren Gesundheitsstreit eine Friedenspflicht geben sollte, scheint sie jedenfalls für CDU-Regionalkonferenzen nicht zu gelten. Im einstigen „Haus des Lehrers“ am Alexanderplatz wirbt die CDU-Spitze vor den Vertretern der Landesverbände Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ganz ungerührt für ihre Kopfpauschalen-Lösung.

Wobei Angela Merkel kurz anerkennt, dass der Geschwisterstreit, rapide sinkende Umfragewerte und schlechte Presse der Basis Sorgen machen. Sie wisse, dass die eigenen Leute draußen „einfach leiden wie die Hunde“, sagt die Vorsitzende. Und dass CDU und CSU nur gemeinsam siegen könnten: „Wenn wir gegeneinander in die Auseinandersetzung gehen, hat das überhaupt keinen Sinn. In der Sache aber bleibt sie so hart wie ihr General: Sozialausgleich über Steuern ist der Weg, auch Wohlhabende in den Sozialausgleich in der Krankenkasse einzubeziehen: „Da brauchen wir mehr Gerechtigkeit!“

Der Beifall ist freundlich, der Schlussbeifall sogar kräftig. Überhaupt macht die Regionalkonferenz Merkel das Leben einfach. Ein junger Mann beklagt, dass „immer nur Nein“ aus München zu hören sei statt konstruktiver Vorschläge – wofür er Beifall erntet – und hofft zugleich, dass man das CDU-Modell besser vermitteln möge – wofür er noch mehr Beifall bekommt.

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