Politik : Kraft und Wille, Geist und Glück

Stationen einer ungewöhnlichen Karriere

Malte Lehming

Sacramento - Wenn er auftaucht, wird die Realität zum Film. Sein Schritt schnell, aber nicht hastig, im Mundwinkel die eben angezündete Importzigarre, mit Silber beschlagene Cowboystiefel an den Füßen, ein riesiger Siegelring am Finger. So betritt Arnold Schwarzenegger das Zelt, das er im Innenhof seines Amtssitzes in Sacramento, der Hauptstadt Kaliforniens, hat aufschlagen lassen, um das strenge Rauchverbot zu umgehen. Von hier aus regiert der Gouverneur den wichtigsten Bundesstaat der USA. Sein Stammplatz im Zelt ist schräg gegenüber vom Eingang. Das verschafft ihm den besten Überblick. Auf der anderen Seite steht ein kleiner Schachtisch mit zwei Stühlen. Schwarzenegger spielt Schach? „Er schlägt jeden“, sagt ein Mitarbeiter.

Dieser Mann entzieht sich allen Klischees. In Thal bei Graz in Österreich geboren, wanderte er 1968 in die USA aus. Fünfmal war er „Mister Universum“, siebenmal „Mister Olympia“. Schwarzenegger ist katholisch, für die Todesstrafe, wirtschaftlich neoliberal, Mitglied der Republikaner. Aber er hat auch Marihuana geraucht und Gruppensex praktiziert, das Amtsenthebungsverfahren gegen Ex-Präsident Bill Clinton fand er abstoßend, er befürwortet das Recht auf Abtreibung sowie die embryonale Stammzellforschung. Verheiratet (vier Kinder) ist er seit 21 Jahren mit Maria Shriver aus der Kennedy-Dynastie.

Als Einwanderer verkörpert Schwarzenegger den amerikanischen Traum. Mittellos kam er ins Land, schuftete für 60 Dollar in der Woche, durch Bodybuilding, Immobilien und Filme wurde er reich. Mit 22 Jahren hatte er seine erste Million. Es folgen Terminator, Predator, Conan, True Lies, Kindergarten-Cop. Er erobert Hollywood, kümmert sich nebenbei aber auch um Straßenkinder. „Früher war ich selbstsüchtig“, sagt er, „heute glaube ich, dass mein Leben nicht danach bewertet wird, wie viel ich bekommen, sondern wie viel ich zurückgegeben habe.“

Schön und gut, hieß es anfangs skeptisch, als das Greenhorn vor dreieinhalb Jahren Gouverneur von Kalifornien wurde, aber kann dieser Quereinsteiger auch regieren? Er kann trotz der Mehrheit der Demokraten die beide Häuser des Parlaments in Sacramento beherrschen. Die Zweifel an Schwarzeneggers Kompetenz sind kontinuierlich leiser geworden. Ein Defizit von 20 Milliarden Dollar hatte er geerbt, dann Steuern gesenkt, heute liegt es bei vier Milliarden.

Sein Markenzeichen indes ist die Ökologie. Er will weg vom Öl, stattdessen alternative Energien fördern. Ökogesetz um Ökogesetz lässt er verabschieden. Gleich nach Amtsantritt prophezeite der „Economist“, Schwarzenegger werde der „grünste Gouverneur“ von ganz Amerika. Das ist er nun ohne Zweifel. Dabei war er einst der erste private US-Bürger, der ein spritfressendes Gigantomobil vom Typ „Humvee“ besaß. Wieder so ein Widerspruch, der sich nur in dieser Person auflöst.

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