Politik : Krankenhaus statt Urlaubsreise

Experten zur Zukunft des Gesundheitswesens

Dagny Lüdemann

Berlin - Dass der Patient zum Kunden wird, immer mehr Krankenhäuser privatisiert werden und der Staat künftig nur medizinische Grundversorgung wird gewährleisten können, darüber waren sich die Teilnehmer des Symposiums „Health Care der Zukunft“ in der Akademie der Künste in Berlin einig. Mediziner, Ökonomen und Architekten diskutierten darüber, wie sich die Veränderung der Gesundheitslandschaft auf Architektur, Finanzierung und die Struktur von Krankenhäusern auswirken wird – und sollte.

„Fürsorgeeinrichtungen werden zu Unternehmen und müssen sich dem Wettbewerb stellen“, sagte Christine Nickl-Weller, die den bundesweit einzigen Lehrstuhl für Krankenhausarchitektur an der Berliner TU leitet. Das Gesundheitswesen sei eine wachsende Zukunftsbranche, man brauche aber zahlende Kunden neben den gesetzlichen Krankenkassen, gab Günter Stock zu bedenken, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Die Menschen seien bereit, privat in ihre Gesundheit zu investieren und würden dafür „auch mal einen Urlaub ausfallen lassen“, sagte Klaus-Dirk Henke, Gesundheitsökonom an der TU. Er forderte eine offene Ethik-Diskussion über die hohen Kosten, die durch die intensive medizinische Versorgung von tödlich Erkrankten in deren letzten Lebenswochen entstünden. Ingeborg Schwenger-Holst, Ex- Chefin der Spezialklinik für Minimalinvasive Chirurgie in Berlin, sieht herkömmliche Kliniken als Auslaufmodell. „Wir brauchen spezialisierte Exzellenzzentren statt vieler allgemeiner Krankenhäuser.“

Ähnlich verhalte es sich mit der traditionellen Einzelpraxis, meinte Franz Knieps, Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium, bereits im „Handelsblatt“. „Die Zukunft wird Gemeinschaftspraxen, medizinischen Versorgungszentren und Ärztenetzen gehören.“ Medizin des 21. Jahrhunderts könne nicht in den Organisationsformen des 19. Jahrhunderts praktiziert werden. Das sahen die Symposiums- Experten ähnlich: Das komplizierte Vergütungssystem ärztlicher Leistungen müsse vereinfacht, der Verwaltungsaufwand durch verschiedene Versicherungsarten, wie Unfall-, Pflege- oder Krankenversicherung abgebaut werden. Und die Klinikleistungen müssten vielfältiger werden – bei gleichzeitiger Spezialisierung einzelner Häuser.

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