• Krankgemeldete Lehrer in Hamburg brauchen sofort Attest 240 Pädagogen blieben zu Hause Senator sieht verdeckten Streik

Politik : Krankgemeldete Lehrer in Hamburg brauchen sofort Attest 240 Pädagogen blieben zu Hause Senator sieht verdeckten Streik

Karsten Plog

Hamburg. Nach massenhaften Krankmeldungen Hamburger Lehrer hat die Schulbehörde einen härteren Kurs eingeschlagen: Ab sofort müssen die 240 krank gemeldeten Lehrer vom ersten Tag der Krankheit an ein Attest des Arztes abliefern. Die Krankmeldungen haben einige Hamburger Schulen praktisch lahm gelegt. Ein Großteil der Schüler musste nach Hause geschickt werden. Bildungssenator Rudolf Lange vermutet einen verdeckten Streik gegen das neue Arbeitszeitmodell für Hamburgs Lehrer und droht mit Abmahnungen und Disziplinarverfahren.

Am Dienstag waren fünf Schulen betroffen, am Donnerstag zwei weitere. An der Gesamtschule Wilhelmsburg fehlten 37 von 90 Lehrern, an der Ganztagsgrundschule Ludwigsstraße 12 von 22 Pädagogen. Am Vortag waren in der Haupt- und Realschule Sinstorf nur drei der 25 Lehrer erschienen. „Ich habe kein Verständnis für diese Aktion. Ich finde das Verhalten empörend, verantwortungslos und unanständig, weil der Protest auf dem Rücken der Schüler ausgetragen wird“, sagte Schulsenator Rudolf Lange. Auch die Hamburger Elternkammer, ansonsten im Protest gegen die Schulpolitik mit den Lehrern einig, kritisierte die Krankmeldungen.

Seit Monaten gibt es in Hamburg Streit zwischen Lehrern und Schulbehörde. Im Mittelpunkt steht eine Neubewertung der Lehrerarbeitszeit. Laut GEW werden so 1000 Stellen erwirtschaftet, die an den Schulen fehlten. Viele Lehrer müssten jetzt 30 Stunden und mehr unterrichten. In einem anonymen Flugblatt hatte es geheißen: „Stellt Euch vor, am 6. und 7. Mai fiele der Unterricht aus, denn alle Kolleginnen und Kollegen müssten sich auf Grund erheblichen Unwohlseins als Reaktion auf die angekündigten drastischen Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen einem gründlichen Gesundheitscheck unterwerfen.“

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