Politik : Krasse Worte, schiefe Vergleiche

Berlin - Der Kölner Generalvikar Dominik Schwaderlapp hat Kardinal Joachim Meisner verteidgt. Er warf den Kritikern vor, voreingenommen zu sein. „Der ausgelöste Wirbel zeigt, da fehlt das nötige Wohlwollen, das man auch einem Kardinal Meisner entgegenbringen muss“, sagte Schwaderlapp im Kölner Domradio. Die Reaktion der Öffentlichkeit auf seine Predigt, in der er den Begriff „entartete Kultur“ verwendet hatte, habe Meisner getroffen, zumal es diametral dem entgegengesetzt sei, was er gemeint habe.

Dennoch stimmte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) in die Kritik mit ein: „Diese Äußerung – selbst aus dem Zusammenhang gerissen – ist vom Inhalt wie von der Sprache, wenn man das Wort entartet nutzt, für mich völlig inakzeptabel.“ Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) bezeichnete Meisners Wortwahl im ZDF als „so ägerlich wie unbegreiflich“. Der Schriftsteller Ralph Giordano sagte im WDR, Meisner habe zwar keinen positiven Bezug zum Nationalsozialismus herstellen wollen. „Aber geistig wabert aus dieser Zeit immer noch etwas herüber. Es wäre besser gewesen, wenn er dieses Wort nicht gebraucht hätte.“ Auch der Deutsche Kulturrat kritisierte die „für einen hohen Würdenträger der katholischen Kirche erstaunlich unbedachte Wortwahl“. Nordrhein-Westfalens früherer Kulturminister Michael Vesper (Grüne) warnte Meisner davor, ein „gefährliches Feuer“ zu schüren.

Meisner hat sich schon häufiger zu Äußerungen hinreißen lassen, die Kontroversen auslösten. Krasse Worte und schiefe Vergleiche gehören zu seinem Repertoire. Eine Auswahl:

– Die Abtreibungspille RU 486 hat Meisner in den 90er Jahren als „Tötungsinstrument“ bezeichnet, deren Anwendung verglich er mit der Ermordung der Juden in den deutschen Vernichtungslagern mit dem Giftgas Zyklon B. Abtreibungen verglich er später pauschal mit den Mordtaten Hitlers und Stalins.

– In einer Rede in Ungarn stellte er 2003 fest, dass Homosexualität nicht in der Schöpfungsabsicht Gottes gelegen habe, er habe Mann und Frau füreinander bestimmt, damit sie sich vermehren.

– Im Jahr 1998 hatte Meisner den Deutschen einen Mangel an „Selbstzucht, Sitte und Reinheit“ vorgeworfen. Der moderne Mensch gleiche einem Kreisel, der von der Peitsche sexueller Aufreizung zu rasender Umdrehung getrieben werde.

– Den Lebensstil von Politikern nahm Kardinal Meisner schon häufiger aufs Korn. Dem früheren Kanzler Gerhard Schröder und dessen Außenminister Joschka Fischer hielt er vor, „wer vier Ehen hinter sich gebracht hat, taugt nicht als Vorbild“. Unlängst war Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU), der mit seiner Geliebten ein Baby hat, aber bei seiner Frau bleiben will, Ziel seiner Kritik. „Wie will er Vorsitzender einer christlichen Partei werden? Wie weit sind wir eigentlich gekommen?“

– Zu programmatischen Äußerungen von CDU-Chefin Angela Merkel sagte er, „was christlich ist, kann nicht die CDU definieren, das machen wir“.

– Auch katholische Amtsträger wie Laienorganisationen bekamen von Meisner ihr Fett ab. Dem Kirchenpersonal warf er vor, wehleidig, schlaff und mutlos zu sein. Manchen mangele es am richtigen Glauben: „Blinde können doch nicht Blinde führen.“ Und Frauen würden „bis zum Jüngsten Gericht“ nicht zu Priesterinnen geweiht. Tsp

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