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Krawalle : Ausschreitungen bei Demonstration in Athen

In Athen ist es am Donnerstagabend im Zuge des traditionellen Gedenkmarsches für die Opfer der griechischen Militärdiktatur von 1973 zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Auch in Thessaloniki gerieten Protestmärsche außer Kontrolle.

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Am frühen Abend war es in Athen verhältnismäßig ruhig. Nach dem traditionellen Protestmarsch im Gedenken an die Todesopfer der Militärdiktatur von 1973 blieb zwar die Innenstadt noch für den Verkehr gesperrt. Die Umgebung um den Syntagma-Platz, dem Zentrum der jüngsten Unruhen, wurde aber bereits wieder von Passanten bevölkert. Die Athener Polizei hatte im Vorfeld über 70 Personen vorsorglich festgenommen. 7000 Beamte waren im Einsatz.

Die Zahl der Demonstrationsteilnehmer bezifferte die Polizei auf 20.000. Beobachter gehen aber von einer wesentlich höheren Anzahl aus. Von bis zu 50.000 Menschen ist die Rede.

Die Griechen nutzten den traditionellen Gedenktag, um gegen die anstehenden Sparmaßnahmen der neuen Einheitsregierung unter Premierminister Lucas Papademos zu demonstrieren. In zahlreichen Slogans zogen die Studenten Parallelen zwischen der Militärdiktatur und der Vereinnahmung Griechenlands durch die Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission.

Gewerkschaften, Studentenorganisationen und linke Parteien dominierten den Demonstrationszug. Die Mitglieder der kommunistischen Partei KKE trafen für ihre Sektion besondere Vorsichtsmaßnahmen: An jedem Ende bildeten sie Menschenketten. Motorradhelme, Gasmasken, Schals und Mützen schützen die Teilnehmer. Anarchistische Gruppen hatten im Vorfeld angekündigt, die Kommunisten attackieren zu wollen. Hintergrund sind seit einiger Zeit schwelende Rivalitäten. Bei früheren Demonstrationen hatte es sogar gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen linken und anarchistischen Gruppen gegeben.

Die Teilnehmer zogen von der Universität bis zur Botschaft der Vereinigten Staaten. Gewaltbereite Teilnehmer zerstörten auf dem Weg dorthin Überwachungskameras, zündeten Mülleimer an und zertrümmerten Mauern und Gehwegpflaster. Die Trümmerteile nutzen sie als „Munition“ gegen die Polizisten. Vor der amerikanischen Botschaft und in Parlamentsnähe kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei. Die Polizei setzte Tränengas ein.

Traditionell gehört der 17. November in Griechenland der Jugend und den Studenten. Man gedenkt der Studenten, die am 17. November 1973 im Zuge der Aufstände gegen die Militärdiktatur ums Leben kamen. Damals rollten Panzer auf das Gelände der Polytechnischen Universität. 24 Menschen starben. Trotzdem gilt das Datum als der Beginn des Niedergangs der Militärjunta.

Bis zuletzt galt ein Hausverbot für Polizei und Militär auf dem Campus-Gelände. In diesem Jahr hat die Bildungsverwaltung das Asyl erstmals ausgesetzt. Bildungsministerin Anna Diamantopoulou begründete den Schritt mit den jährlichen Krawallen, die das historische Ereignis entwürdigten. Autonome und Anarchisten nutzten das Campusgeländer regelmäßig als Zentrale und Rückzugsgebiet.

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