Politik : Krawalle bei Besuch von Rice in Athen

Gerd Höhler

Athen - Der Besuch der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice in Athen ist am Dienstag von schweren Protesten begleitet worden. Die Kommunistische Partei Griechenlands und Globalisierungsgegner veranstalteten Protestkundgebungen und einen Marsch zur US-Botschaft. Eine Gruppe von rund 200 autonomen löste sich aus dem Protestzug und steckte im Stadtzentrum ein Auto in Brand und plünderte mehrere Geschäfte. Die Polizei hatte das Regierungsviertel hermetisch abgeriegelt. Die griechische Hauptstadt ist erste Station einer viertägigen Südosteuropa-Reise der Ministerin, die sie über die Türkei zum Treffen der Nato-Außenminister nach Sofia führt.

Rice warb in Athen für Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen Iran. „Angesichts Irans fortgesetzter Verstöße gegen internationale Regeln können wir uns nicht mit einer weiteren staatsmännischen Erklärung begnügen“, sagte sie. Die griechische Außenministerin Dora Bakojannis betonte, die internationale Gemeinschaft müsse sich weiter um eine friedliche Lösung des Streits bemühen. Die Mittel der Diplomatie seien noch nicht ausgeschöpft.

Breiten Raum nahm bei den Gesprächen außerdem die Energiepolitik ein. Rice appellierte an die Europäer und insbesondere die Griechen, ihre Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu mindern und weitere Bezugsquellen zu erschließen. Griechenland bezieht fast sein gesamtes Erdgas aus Russland. Die staatliche russische Gasprom dominiert in einem Joint Venture mit Griechenlands Copelouzos-Gruppe, dem Unternehmen Prometheus Gas, den Gasmarkt des Landes. In den USA sieht man die wachsende Abhängigkeit vieler europäischer Nato-Partner von russischen Öl- und Gaslieferungen mit Sorge. Auf große Bedenken stößt vor allem das Vorhaben der Griechen, Gasprom am Bau einer Erdgaspipeline von der Türkei aus über Nordgriechenland nach Italien zu beteiligen.

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