Krawalle bei der Fußball-EM : Die Hooligans sind eine Niederlage für Frankreich

Die Gewalt auf der Fußball-EM ist keine wirkliche Überraschung. Hinweise gab es genug. Können die Franzosen das noch in den Griff bekommen? Ein Kommentar.

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Die Polizei versucht gewaltbereite Fans bei Ausschreitungen in Lille in Schach zu halten.
Die Polizei versucht gewaltbereite Fans bei Ausschreitungen in Lille in Schach zu halten.Foto: Marius Becker/dpa

Russland steht vor der Aussperrung, England steht genauso unter Druck – und die Gewalttäter geben nicht klein bei. So sieht es aus, und deshalb kann man durchaus Angst um die Fußball-EM bekommen. Um deren Sicherheit mindestens. Zumal die Gastgeber bei der Prävention, ja, man muss schon sagen: versagt haben. Die Franzosen hätten besser vorbereitet sein können; denn ihnen wurde so viel vorab gemeldet, unter anderem aus Deutschland. Eine Mischung aus Hybris und Ignoranz, deren Ergebnis jetzt zu besichtigen ist.

Der Sportsoziologe Gunter Pilz hat es gut erklärt: Bereits seit einigen Jahren beobachten Experten eine „starke Renaissance des Hooliganismus“, der sich „brutalisiert, modernisiert und professionalisiert“ hat. Die Entwicklung kommt also nicht überraschend, und sie entlädt sich in Frankreich.

Da sind nicht allein gewaltbereite Betrunkene unterwegs, sondern Martial-Arts-Schläger, die aufgeladen sind mit Aufputschmitteln. Jetzt müssen tausende Sicherheitskräfte mehr aufgeboten werden, um die Hooligans auseinanderzuhalten. Dass das gelingt, ist nicht sicher. Was schon mal eine Niederlage für Frankreich ist.

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Neue Hooligan-Ausschreitungen bei der EM in Lille
Neue Hooligan-Ausschreitungen bei der EM in Lille

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