Krawalle in Hamburg : 17 Festnahmen bei Anti-Nazi-Demo

Einen Tag nach den Ausschreitungen bei einer Demonstration gegen Neonazis in Hamburg zieht die Polizei Bilanz: 38 Beamte wurden verletzt, 17 Menschen festgenommen. Die Polizei war teilweise machtlos.

Am Rande einer Großdemonstration gegen Rechts ist es am Samstag zu Ausschreitungen im Hamburger Stadtteil Wansbek gekommen. Die Polizei löscht brennenden Müll mit dem Wasserwerfer.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Reuters
02.06.2012 16:27Am Rande einer Großdemonstration gegen Rechts ist es am Samstag zu Ausschreitungen im Hamburger Stadtteil Wansbek gekommen. Die...

Am Rande eines Aufmarsches von 700 Neonazis ist es am Wochenende in Hamburg zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Polizei schirmte die Rechtsextremisten am Samstag im Stadtteil Wandsbek vor Tausenden Gegendemonstranten ab. Linksextremisten griffen die Polizisten mit Steinen oder Böllern an. 38 Beamte wurden verletzt, wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte.

Die Polizei wehrte sich mit Wasserwerfern und Pfefferspray. Rund 4.400 Beamte waren stadtweit im Einsatz. Mindestens ein Gegendemonstrant sei verletzt worden, die abschließende Zahl liege aber noch nicht vor, sagte der Sprecher. 17 Menschen wurden festgenommen und 63 in Gewahrsam genommen. Die Rechtsextremisten waren am Nachmittag nach einer Genehmigung des Verwaltungsgerichts in Wandsbek aufmarschiert.

Doch Hunderte setzten sich den Rechten in den Weg und blockierten die geplante Strecke. Trotz Wasserwerfern gelang es der Polizei nicht, die Sitzblockaden aufzulösen. „Es waren einfach zu viele Gegendemonstranten“, sagte eine Polizeisprecherin. Die Route wurde daraufhin geändert und verkürzt. Gegen 17.30 Uhr wurde der Neonazi-Aufmarsch am S-Bahnhof Hasselbrook beendet. Die Demonstration der Rechtsextremisten verlief friedlich.

Immer wieder musste die Polizei aber gegen gewalttätige Gegendemonstranten vorgehen. Am Vormittag flogen etwa aus einer Gruppe mit bis zu 700 Demonstranten Steine, Flaschen und Böller auf die Polizei. Die Einsatzkräfte kesselten die Gruppe daraufhin ein und nahmen sie in Gewahrsam, um Personalien zu überprüfen. Es wurden Verfahren wegen schweren Landfriedensbruchs eingeleitet.

Zudem errichteten Gegendemonstranten in Wandsbek Barrikaden aus Mülltonnen und zündeten diese an. Ein Polizeifahrzeug und mehrere Autos brannten. Schließlich lösten sich alle großen Gegendemonstrationen in kleine Gruppen auf, die unkontrolliert durch die Straßen zogen. Bis zu 3000 Menschen waren es der Polizei zufolge. „Die Lage war sehr unübersichtlich“, sagte eine Polizeisprecherin. Die Beamten setzten einen Hubschrauber ein, um den Überblick von oben zu behalten.

Bereits in der Nacht zu Samstag hatten Brandstifter elf Polizeifahrzeuge auf dem Parkplatz eines Hamburger Hotels angezündet, wo für den Einsatz zugereiste Beamte schliefen. Die Täter entkamen unerkannt.

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