Politik : Krawalle in Nordirland: Protestantenorden zum Kompromiss bereit

Nach der jüngsten Gewaltwelle in Nordirland hat sich der extremistische Oranier-Orden nun zu Gesprächen über die Route eines umstrittenen Traditionsmarsches bereit erklärt. Auch in der Nacht zum Freitag war es in Belfast vereinzelt zu Zwischenfällen gekommen. Das Ausmaß der Unruhen blieb nach Polizeiangaben aber weit hinter dem der vorangegangenen Nächte zurück.

Der Großmeister der Oranier-Loge, Robert Saulters, erklärte sich am Freitagmorgen zu Gesprächen mit den Anwohnern der katholischen Garvaghy Road in Portadown bereit, durch die der protestantische pro-britische Orden trotz eines Verbots am Sonntag marschieren will. Eine Rücknahme des Paradeverbots, wie sie von Saulters am Freitag als "Bedingung" gefordert wurde, galt als höchst unwahrscheinlich. Mehrere hundert Anhänger des Ordens protestierten während der Nacht an der Kirche von Drumcree friedlich gegen das Verbot. Für Freitag waren alle Proteste abgesagt worden. Der Grund: Nordirland trauert um Motorrad-Weltmeister Joey Dunlop, der am vergangenen Sonntag bei einem Rennen in der estnischen Hauptstadt Tallinn tödlich verunglückt war. Der 48-Jährige wird in seiner Heimatstadt Ballymoney beigesetzt.

Aus Wut über das Verbot ihrer Paraden durch katholische Wohnviertel hatten in Belfast militante Protestanten die fünfte Nacht in Folge randaliert. In der Nacht zum Freitag blockierten sie mehrere Straßen; im Norden der Stadt bewarfen sich protestantische und katholische Jugendliche mit Steinen und Flaschen.

Die nordirische Polizei zog unterdessen eine Bilanz der Proteste: Seit Beginn der Ausschreitungen am vergangenen Sonntag seien 43 Personen nach 109 Angriffen auf Polizisten oder Soldaten festgenommen worden. 32 Polizisten und ein Soldaten wurden demnach verwundet, mindestens 37 Wohnhäuser von zumeist katholischen Bewohnern angegriffen. 34 Fahrzeuge wurden gestohlen und angezündet.

Mit ihren jährlichen Märschen erinnern die Oranier an den Sieg Wilhelms von Oranien über den katholischen König Jakob II. vor mehr als 300 Jahren. Die Polizei hatte die Marschierer bereits in den vergangenen Jahren aus dem katholischen Viertel in Portadown fern gehalten, seit 1998 ist der Zug durch die Garvaghy Road untersagt.

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