Krawalle : Proteste in Griechenland dauern an

Auch acht Tage nach dem Tod eines 15-jährigen griechischen Schülers durch eine Polizeikugel nehmen die Proteste in Athen und anderen Städten des Landes kein Ende. In Umfragen liegt die Regierungspartei aufgrund der Krawalle mittlerweile deutlich hinter der Opposition.

Gerd Höhler
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Das Zentrum von Athen kommt nicht zur Ruhe. -Foto: dpa

AthenAm Sonntag demonstrierten erneut Tausende in Athen, auf der Insel Korfu, in den nordgriechischen Städten Serres und Xanthi sowie in der Hafenstadt Volos gegen Polizeiwillkür, Korruption und Missstände im Bildungswesen. Bereits am Samstag hatten sich über 1000 Schüler vor dem Parlament am Athener Syntagmaplatz versammelt, um mit einem Sitzstreik des erschossenen Jungen zu gedenken. Viele Jugendliche hatten Blumen mitgebracht und entzündeten Kerzen.

Während diese Proteste ohne Zwischenfälle abliefen, kam es in der Nacht zum Sonntag in Athen erneut zu Ausschreitungen: Im Stadtzentrum und im Viertel Exarchia, wo der 15-Jährige vor einer Woche von einem 37-jährigen Polizisten erschossen worden war, warfen Randalierer wieder Brandflaschen, zertrümmerten Schaufenster und demolierten mit Vorschlaghämmern mehrere Bankfilialen. Auch Polizisten wurden mit Steinen und Molotowcocktails angegriffen. Die Beamten antworteten mit Tränengasgranaten. In Thessaloniki zerstörten rund hundert Jugendliche die Scheiben einer Sporthalle, bevor sie sich auf das Universitätsgelände zurückzogen.

Für diesen Montag hat ein Schülerkomitee zu einem Sitzstreik vor dem Athener Polizeipräsidium aufgerufen. Gymnasiasten halten mehr als 400 Schulen im ganzen Land besetzt.

Zu den Sachschäden, die durch die Ausschreitungen der vergangenen acht Tage angerichtet wurden, gibt es weit auseinandergehende Schätzungen. Die Regierung beziffert sie auf rund 200 Millionen Euro. Der griechische Einzelhandelsverband dagegen schätzt die Kosten der Verwüstungen und der Umsatzeinbußen auf mehr als 1,5 Milliarden Euro.

Beträchtlich dürften auch die politischen Kosten für die konservative Regierung sein. In einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage äußerten fast sieben von zehn Befragten die Ansicht, die Regierung habe beim Krisenmanagement versagt. 76 Prozent sind mit dem Verhalten der Polizei unzufrieden. In einer anderen Umfrage bezeichneten knapp 60 Prozent der Befragten die Proteste als berechtigt. Bei der Sonntagsfrage liegen die regierenden Konservativen von Ministerpräsident Kostas Karamanlis in aktuellen Umfragen um 4,8 bis 5,6 Prozentpunkte hinter den oppositionellen Sozialisten.

Die Unzufriedenheit der Bürger richtet sich aber nicht allein gegen die konservative Regierung. Die Umfragen signalisieren eine wachsende Parteienverdrossenheit der Griechen: 37 Prozent geben an, sie wüssten nicht, wem sie im Fall von Neuwahlen ihre Stimme geben sollten. Das ist der höchste jemals in Griechenland gemessene Prozentsatz Unentschlossener.

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