Politik : Krawalle und Festnahmen bei Neonazi-Marsch in Leipzig

In Leipzig ist es am Rande eines Aufmarsches von rund 1250 Neonazis am Samstag zu Ausschreitungen mit linken Gegendemonstranten gekommen. Die Autonomen bewarfen die Polizei nach Augenzeugenberichten mit Pflastersteinen und Flaschen, zudem zündeten sie Feuerwerkskörper. Es gab mehrere Verletzte auf beiden Seiten und zahlreiche Festnahmen. Die Polizei wollte das zunächst nicht bestätigen. Insgesamt waren rund 3000 Beamte von Polizei und Bundesgrenzschutz im Einsatz. Nach den gerichtlichen Auflagen musste der genehmigte Neonazi-Zug um 19.30 Uhr beendet sein. "Es ist Ruhe eingekehrt", sagte eine Polizeisprecherin am Abend.

Im Laufe des Tages war es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und rund 300 Autonomen gekommen. Als die Autonomen versuchten, mit Müllcontainern Straßensperren zu errichten, ging die Polizei mit Wasserwerfern vor. Auch Tränengas wurde eingesetzt.

Auf ihrem Marsch vom Hauptbahnhof zum Völkerschlachtdenkmal waren die Neonazis wegen mehrerer Straßenblockaden von Gegendemonstranten nur etwa 500 Meter weit bis zum Gewandhaus am Augustusplatz gekommen. Am Abend stellten sich rund 1000 friedliche Gegendemonstranten den Neonazis in den Weg. "Wir werden hier so lange wie möglich stehen bleiben und Gesicht zeigen", sagte Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD), der mit seinem Amtsvorgänger Hinrich Lehmann-Grube unter den Demonstranten war. "Wir müssen dafür sorgen, dass Leipzig kein Aufmarschgebiet für Neonazis wird", sagte Tiefensee. Entrollt wurde auch ein riesiges Transparent mit rund 10 000 Unterschriften gegen den Neonazi-Marsch.

Die Stadt hatte den Marsch untersagt und lediglich eine Kundgebung auf dem Gelände der Alten Messe genehmigt. Das Verbot wurde aber vom Leipziger Verwaltungsgericht aufgehoben. Bereits am 1. September war es bei einem Neonazi-Aufmarsch zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Linksautonomen und der Polizei gekommen.

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