Krebsoperation : Lafontaine: Durch die Hintertür

Zum ersten Mal seit seiner Krebsoperation tritt Lafontaine vor der Linkspartei auf – aber ob er weitermacht, verrät der Parteichef nicht

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Beim Neujahrsempfang erinnerte Lafontaine seine Partei an ihre Erfolge. -Foto: ddp

Alles ist hier irgendwie seins, und Oskar Lafontaine genießt das voll. Die saarländische Linke hat zum Neujahrsempfang ins Kasino des „Business Communication Centers“ in Saarbrücken-Burbach geladen. Die Genossen skandieren „Oskar, Oskar“, wollen Lafontaines Rückkehr in die aktive Politik herbei schreien. Der Industriepark in Burbach sei noch zu seiner Regierungszeit als SPD-Ministerpräsident eingerichtet worden, erinnert der Ober-Linke, damals sei an der Saar noch „erfolgreich“ Politik gemacht worden.

Und heute? Die Parteimitglieder an der Saar wollen ihren Oskar feiern, der erstmals nach seiner Krebsoperation die politische Bühne betritt. Auch wenn er noch immer nicht verrät, welche Rolle er dort künftig spielen will. An die 500 Anhänger drängen sich um die Stehtische, es gibt Cremant und Weißwein aus dem Elsass. Oder auch heimisches Bier. Die Gästeliste belegt, dass die Linke hier Volkspartei ist, wie sonst nur im Osten: Begrüßt werden zahlreiche Gewerkschaftsfunktionäre, allen voran DGB-Landeschef Eugen Roth, ein Abgeordneter der SPD. Auch Horst Hirschberger, Präsident des 1. FC Saarbrücken und Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion. Dann sagt Landesgeschäftsführer Thomas Lutze den Mann an, „wegen dem ihr alle hier“ seid“ – gerade hat Lafontaine den Saal durch den Hintereingang betreten. Tosender Applaus.

Knapp eine Stunde lang redet der Parteivorsitzende – und hält weiter offen, ob er für dieses Amt im Mai noch einmal kandidiert. Nur kurz geht es ums Saarland, wo die Linke den „politischen Laden doch aufgemischt“ habe. Die weitaus meisten Passagen drehen sich um die Bundespolitik, die Linkspartei, die mit ihrem Widerstand gegen den Afghanistan-Einsatz, die Rente mit 67, Hartz IV und der Forderung nach einem Mindestlohn die „anderen Parteien in Bewegung“ gebracht habe. „Diesen Erfolg sollten wir uns von niemand kleinreden lassen.“

Lafontaine beschimpft die Medien. Von „Kampagnenjournalismus“ spricht er, von „Propaganda“. In „hanebüchener Weise“ würden die Tatsachen verdreht, ständig werde polemisiert „gegen angebliche Populisten, Fundamentalisten, Chaoten und Spinner“, immer wieder die Regierungsuntauglichkeit der Linkspartei heruntergebetet. Immunisiert werden sollten die Genossen gegen solche Vorwürfe, verlangt er. „Lassen wir die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter.“

Doch wird Lafontaine die linke Karawane weiter anführen? Dass Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch zum Rückzug gezwungen wurde, ist in seinem Sinne gewesen, lässt der Vorsitzende durchblicken. Überflüssig seien die Personalquerelen gewesen, sagt er. Denn Eitelkeiten und Rivalitäten seien zwar normal, wenn Menschen zusammenarbeiten. Aber die Akteure müssten sich eben an Regeln halten, auch wenn sie nicht in tiefer Sympathie und Zuneigung verbunden sind. „Das Notwendige“ sei gesagt worden, lobt Lafontaine die Attacken von Gregor Gysi und Klaus Ernst auf den geschassten Parteimanager. Bartsch geht und will sich erstmal für kein anderes Amt bewerben. Lafontaine hält eine kämpferische Rede, wie es die Genossen von ihm gewohnt sind. Aber er sagt ihnen auch: „Niemand ist unersetzlich.“ Debatten, wer es womöglich doch sein könnte, seien überflüssig. Unersetzlich sei nur eine Politik und Strategie der Linken, die von immer mehr Wählern akzeptiert werde.

Ein Reporter versucht es anschließend auf die nette Tour: „Wer Sie gesehen hat, muss doch den Eindruck haben, dass Sie bald wieder voll mitmischen?“ Dazu werde er sich „zu gegebener Zeit“ äußern, erwidert Lafontaine knapp. Und plaudert dann lieber mit seinen Anhängern, soweit sie sich noch nicht zum Buffet mit gefüllten Klößen, Sauerkraut und Specksoße durchgekämpft haben. Lafontaine umarmt die Genossen, herzt die Damen, schüttelt Hände, gibt Autogramme, posiert für Erinnerungsfotos. Jeder soll eben noch mal gesehen haben, was der Linken ohne ihn fehlen würde.

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