Krieg gegen den Terror : USA weiten Einsatz auch auf Pakistan aus

Der Krieg gegen den Terror kann mit den bestehenden Mitteln kaum gewonnen werden. Nun ändern die USA ihre Strategie und weiten den Einsatz auch auf Pakistan aus. Afghanistans Präsident Hamid Karsai begrüßt den Schritt, Pakistan sieht seine Souveränität in Frage gestellt.

Washington/Islamabad/Kabul Die USA haben ihren Anti-Terror-Kampf offiziell auf das pakistanische Grenzgebiet ausgeweitet. US-Präsident George W. Bush gab einem Medienbericht zufolge grünes Licht für Bodeneinsätze von US-Spezialtruppen im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan. Dies sei eine "Kehrtwende" in der bisherigen US-Politik, berichtete die "New York Times". Die geheim gehaltene Anweisung erließ Bush laut "New York Times" bereits im Juli. In Pakistan werden Schlupfwinkel der afghanischen Rebellen vermutet, die ihre Angriffe gegen die ausländischen Truppen in Afghanistan in den vergangenen Monaten deutlich verstärkt haben.

Der pakistanische Premierminister Yousaf Raza Gilani zeigte sich wenig begeistert: "Die Regierung wird alle Schritte unternehmen, um die Grenzen des Landes zu verteidigen." Armeechef Ashfaq Parvez Kayani hatte zuvor gesagt, Angriffe auf pakistanisches Gebiet trieben die Menschen den Extremisten in die Arme. "Keine externe Macht darf Operationen in Pakistan durchführen." Am 3. September hatten US-Bodentruppen mit Unterstützung von Kampfhubschraubern während eines Angriffs in einem Dorf im Nordwesten Pakistans laut Islamabad mindestens 15 Zivilisten getötet.

Weitere Tote im Rahmen der Isaf-Einsätze

Der afghanische Präsident Hamid Karsai begrüßte indes die Entscheidung, auf beiden Seiten der Grenze zu Pakistan gegen das Terrornetzwerk El Kaida vorzugehen. Vor Reportern sagte Karsai am Donnerstag, seine Regierung trete bereits seit dreieinhalb Jahren dafür ein, die Taliban dort anzugreifen und zu "zerstören", wo sie sie sich "verstecken".

US-Generalstabschef Michael Mullen hatte zuvor Zweifel an den Erfolgsaussichten der gegenwärtigen Strategie in Afghanistan geäußert. "Ich bin nicht überzeugt, dass wir in Afghanistan gewinnen", sagte der Admiral am Mittwoch vor einem Kongressausschuss in Washington. "Ich bin aber überzeugt, dass wir es können." Er habe die Streitkräfte angewiesen, eine "neue und umfassende militärische Strategie" für den Afghanistan-Einsatz auszuarbeiten, die auch die Grenzregionen in Pakistan miteinbeziehe, fügte Mullen hinzu. Er forderte ein umfassenderes internationales Konzept zur Stabilisierung Afghanistans. Ohne einen solchen "breiteren Ansatz" zur Bekämpfung der Probleme dort und eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Nachbarland Pakistan würden "die Feinde immer nur weiter kommen".

Die Internationale Afghanistan-Schutztruppe Isaf teilte am Donnerstag mit, im Osten des Landes sei ein Soldat bei einem Angriff Aufständischer getötet worden. In Südafghanistan sei ein weiterer Soldat in eine Sprengfalle geraten und ums Leben gekommen. Die ISAF machte wie üblich keine Angaben zur Nationalität der Soldaten. In der südafghanischen Provinz Kandahar wurde nach Angaben der Schutztruppe ein Angriff Aufständischer auf ein Straßenbauprojekt abgewehrt. Die Gewalt in Afghanistan durch die Taliban und Terroristen hat seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 dramatisch zugenommen. (nis/AFP/dpa)

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