Krieg im Jemen : Pakistan im Dilemma

Saudi-Arabien hat Pakistan gebeten, die Offensive gegen die Huthi-Rebellen im Jemen militärisch zu unterstützen. Einerseits kann Premier Sharif die Saudis nicht brüskieren, andererseits will er aber auch Nachbar Iran nicht verärgern.

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Die schiitischen Huthi-Rebellen haben die Hauptstadt Sanaa besetzt.
Die schiitischen Huthi-Rebellen haben die Hauptstadt Sanaa besetzt.Foto: Yahya Arhab/dpa

Es ist eine brisante Bitte, die Saudi-Arabiens König an Pakistan gerichtet hat. Eindringlich bat er den alten Verbündeten, sich mit Bodentruppen, Kriegsschiffen und Kampfjets an der Offensive gegen die Huthi-Rebellen im Jemen zu beteiligen. Das Ansinnen bringt Pakistan in eine Zwickmühle. Islamabad muss Konflikte mit dem Iran und eine Zerreißprobe im eigenen Land fürchten, sollte es sich auf ein militärisches Abenteuer im Jemen einlassen.
Unterstützt von einer Allianz sunnitischer Staaten hatte Saudi-Arabien vor zwei Wochen Luftangriffe gegen die Huthi-Rebellen im Jemen gestartet, konnte deren Vormarsch aber bisher nicht stoppen. Zuletzt rückten Huthi-Milizen in die südliche Hafenstadt Aden vor. Offenbar schließt Riad nun einen Bodeneinsatz nicht mehr aus. Dazu braucht es aber ausländische Truppen etwa aus Pakistan oder Ägypten.

Krieg Sunniten gegen Schiiten

In Pakistan stößt das Ansinnen der Saudis jedoch auf Bedenken. Bei einer zweitägigen Debatte im Parlament wandten sich fast alle Politiker gegen einen Einsatz im Jemen. „Der Jemen ist wie Afghanistan, wie Treibsand. Niemand wird als Sieger hervorgehen“, warnte Senator Mushahid Hussain. Der Jemen-Konflikt gilt als Stellvertreterkrieg zwischen dem von Schiiten dominierten Iran und dem von Sunniten dominierten Saudi-Arabien. Die im Norden beheimateten Huthi-Rebellen sind Schiiten, der Süden des Jemen ist dagegen sunnitisch geprägt.

Ein Militäreinsatz Pakistans im Jemen würde das ohnehin angespannte Verhältnis mit dem Nachbarn Iran weiter belasten und religiöse Spannungen in Pakistan selbst schüren, meinten Politiker. Fast 70 Prozent der 180 Millionen Pakistaner sind Sunniten, fünf bis 20 Prozent sind Schiiten. Seit Jahren radikalisiert sich das Land, immer öfter kommt es zu Anschlägen auf religiöse Minderheiten. Dabei finanziert Saudi-Arabien laut Medien in Pakistan hunderte Koranschulen, die den Wahabismus, eine Hardcore-Version des Islam, propagieren.

Sharif steht in der Schuld des Saudis

Premier Nawaz Sharif hält sich bisher bedeckt. Laut Medien hat er die Bitte der Saudis zwar nicht abgeschlagen, sondiert aber mit der Türkei Optionen, wie eine solche Militärhilfe aussehen könnte. Die Frage sei „sehr sensibel“, sagte er. Sharif kann es sich kaum leisten, die Saudis offen zu brüskieren. Zu sehr steht er in ihrer Schuld. Als er 1999 gestürzt wurde, gewährten sie ihm Asyl. Bei seiner Rückkehr 2007 hielten sie ihre schützende Hand über ihn. Am Ende wird aber ohnehin nicht die Regierung, sondern das mächtige Militär entscheiden. Auch Pakistans Generäle haben Interesse daran, Saudi-Arabien bei Laune zu halten. Riad ist einer der größten Geldgeber Pakistans. Seit Jahrzehnten kooperieren beide Länder auch militärisch, immer wieder entsandte Pakistan tausende Truppen in das Königreich, um es zu beschützen. Doch bereits jetzt ist Pakistans Militär mit dem Kampf gegen die Taliban ausgelastet. Das Militär dürfte daher sorgfältig abwägen, wie es den Wunsch der Saudis entgegenkommen kann, ohne im jemenitischen Treibsand zu versinken.

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