Politik : Krieg im Kongo: Die Krieger haben das Kämpfen satt

Christoph Link

Die Weihnachtszeit hat der Demokratischen Republik Kongo keinen Frieden gebracht. Trotz des anderthalb Jahre alten Waffenstillstands von Lusaka und trotz einer erst wenige Wochen alten Vereinbarung über einen Teilrückzug der Angreifer ist der Krieg im zweitgrößten Staat Afrikas an beiden Fronten wieder voll entbrannt. Insgesamt drei Rebellengruppen kämpfen seit zwei Jahren gegen den Mann, der einst den Diktator Mobutu stürzte: Präsident Laurent Desiré Kabila. Nach vagen Schätzungen kontrolliert Kabila nur noch die Hälfte oder ein Drittel seines Staatsgebiets. Der Krieg ist längst ein internationaler Konflikt, in den mindestens sechs Staaten verwickelt sind: Uganda und Ruanda kämpfen auf Rebellenseite, Simbabwe, Namibia und Angola unterstützen die Regierungsarmee.

Vor Weihnachten hatte der Rebellenverband "Kongolesische Versammlung für Demokratie" (RCD) mit der verbündeten Armee Ruandas wichtige Städte in der Diamanten-Provinz Katanga eingenommen. In der Provinz Equateur haben nach Erkenntnissen der UN die Rebellen der Kongolesischen Befreiungsarmee (MLC) unter Jean-Pierre Bemba vor Weihnachten eine Offensive gestartet, wobei ihnen ugandische Truppen sowie ein Batallion von UNITA-Rebellen aus Angola Schützenhilfe leisteten. Der UN-Sicherheitsrat forderte Uganda und Ruanda kurz vor dem Jahreswechsel auf, die Offensiven einzustellen - ohne Erfolg.

Kabilas Soldaten auf der Flucht

In Katanga hat der Vormarsch der Rebellen eine für Kabila demütigende Fluchtwelle ausgelöst. Rund 4000 Regierungssoldaten flohen ins Nachbarland Sambia, wo bereits rund zehntausend Zivilisten Zuflucht gefunden hatten. Der Großteil der Truppe will nach Kinshasa zurückkehren, und sich dort wieder in die Regierungsarmee einreihen. Rund 200 Soldaten aber wollen in Sambia um Asyl bitten. In einem mit Stacheldraht umzäunten Sonderlager hat man die Fahnenflüchtlingen einquartiert.

Die Männer sind müde: "Wir haben das Kämpfen satt. Die Streitkräfte der Rebellen sind stärker, sie haben viele von unseren Soldaten getötet", zitiert die Agentur AFP den 18-jährigen Mau Konga, der seine Militärlaufbahn als Kindersoldat begann. Seit drei Jahren sei er im Krieg und habe nie die Erlaubnis für einen Heimaturlaub bekommen, sagt Konga. Andere Soldaten berichten, dass sie weder Stiefel, Feldbett oder Lebensmittel erhielten und nur vom Wurzelgemüse Maniok lebten. Seit Monaten habe man keinen Sold erhalten. Für Zivilisten hat das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) ein Camp in Kala angelegt, 600 Kilometer von der Grenze zum Kongo entfernt. 11 000 Menschen leben dort. Für die Einheimischen werden sie immer mehr zu einer Belastung.

Politischer Stillstand

Präsident Kabila hatte vor Weihnachten zum wiederholten Male zum "innerkongolesischen Dialog" eingeladen, doch die drei Rebellenfraktionen MLC, RCD und die Splittergruppe RCD-Goma wiesen die Einladungen brüsk zurück. Auch die Vereinten Nationen, die Mitte Dezember noch ihr Beobachter-Kontingent im Kongo von 224 auf 500 erhöhten, verfallen angesichts der Krise in Ratlosigkeit. Man sei "sehr besorgt über die Verletzungen des Waffenstillstandes", ließ der Weltsicherheitsrat in New York mitteilen. Vieles spricht dafür, dass der Krieg noch lange währen wird. In den letzten Monaten waren bei Kabilas Allierten, Simbabwe, Namibia und Angola, Anzeichen für eine gewisse Kriegsmüdigkeit feststellbar gewesen. Doch seit dem Vormarsch der Rebellen und der Ruander in Katanga scheinen sich die Reihen wieder fest zu schließen.

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