Politik : Krieg in den Städten (Kommentar)

cvm

Ihr Ziel, Terror zu verbreiten, haben die kaukasischen Rebellen so oder so erreicht - ob sie nun tatsächlich hinter der Explosion eines Moskauer Wohnhauses stecken, wie ein Anrufer behauptet, oder sich nur als politische Trittbrettfahrer eines "normalen" Unglücks versuchen. Viele russische Bürger halten es durchaus für möglich, dass die Aufständischen, die der Armee in Dagestan militärisch nicht die Stirn bieten können, den Krieg in die Städte tragen, um sich für die Bombardierungen im Kaukasus zu rächen. Separatistenführer Schamil Bassajew hat es schließlich schon einmal vorgemacht - wenn auch weit weg vom Machtzentrum Moskau -, als er 1995, während des Tschetschenienkrieges, ein ganzes Krankenhaus im südrussischen Budjonnowsk zur Geisel nahm. Sollte dies der Fall sein: dass die Terroristen ein unbewachtes Wohnhaus auswählten und nicht ein Regierungsgebäude, das den Staat repräsentiert, den sie treffen wollen, dann ließe das jedenfalls auf eine Verzweiflungstat und mangelnde Organisationskraft schließen. Aber da Russland im Wahlkampf ist, schwirrt Moskau nur so von allen möglichen Theorien - etwa, dass interessierte Kreise, auch im Kreml, nach einem Vorwand suchen, den Ausnahmezustand zu verhängen. Die Sehnsucht nach einer starken, ordnenden Hand nimmt jedenfalls zu.

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