Krieg in Syrien : UN-Vollversammlung fordert Waffenruhe in Syrien

Dem Resolutionsentwurf stimmten 122 Nationen zu, um das Massaker zu stoppen. Der Appell geht vor allem Richtung Russland.

Soldaten der syrischen Regierung laufen durch die fast völlig zerstörte Altstadt von Aleppo.
Soldaten der syrischen Regierung laufen durch die fast völlig zerstörte Altstadt von Aleppo.Foto: George OURFALIAN/AFP

Die UN-Vollversammlung hat mit breiter Mehrheit eine sofortige Waffenruhe in Syrien gefordert. Für den von Kanada eingebrachten Resolutionsentwurf, der auch lebensnotwendige Hilfslieferungen einfordert, stimmten am Freitag in New York 122 Nationen. Dagegen votierten 13 Länder, 36 enthielten sich.

Unter anderem stimmten Russland, China und der Iran gegen die Resolution der Vollversammlung. Der russische UN-Botschafter Witaly Tschurkin warf den USA eine "aggressive Rhetorik" vor und wies auf "größere Schwächen" in der Resolution hin. So sei nicht von der Notwendigkeit die Rede, terroristische Gruppen zu bekämpfen. US-Botschafterin Samantha Power sagte, die Resolution sei ein Aufruf an Moskau und den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, "das Massaker zu stoppen".

Treffen zu Syrien in Genf und Paris

US-Außenminister John Kerry äußerte unterdessen die Hoffnung, dass bei den Gesprächen von diplomatischen und militärischen Experten seines Landes und Russlands am Samstag in Genf ein Plan zur Rettung Aleppos vor "vollständiger Zerstörung" herauskommen werde. Es gehe darum, eine Waffenruhe herbeizuführen, Zivilisten und Aufständische aus Aleppo herauszubringen und der Stadt humanitäre Hilfe zukommen zu lassen, sagte Kerry am Abend in der Pariser US-Botschaft.

In Paris befassen sich am Samstag Außenminister, deren Länder die Gegner der syrischen Regierung unterstützen, ebenfalls mit der Lage in Aleppo. Das Treffen wird gemeinsam von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), dem französischen Ressortchef Jean-Marc Ayrault und ihrem katarischen Kollegen Mohammed Al-Thani geleitet.

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Kämpfe im geteilten Aleppo dauern an
Kämpfe im geteilten Aleppo dauern an

Ayrault und Steinmeier zeigten sich besorgt über "Berichte", wonach Zivilisten beim Versuch Ost-Aleppo zu verlassen, "von mit dem Regime verbundenen Elementen verhaftet, gefoltert und in einigen Fällen getötet worden sein sollen". Die syrische Regierung und ihre Unterstützer seien aufgefordert, Mitglieder von Zivilschutzorganisationen wie den Weißhelmen ungehindert abziehen zu lassen.

Syrische Luftwaffe greift in Aleppo wieder an

Die syrische Luftwaffe griff nur wenige Stunden nach der Verkündung einer Feuerpause durch Moskau am Freitagnachmittag erneut den Osten der Stadt Aleppo an. Die Angriffe galten den noch von Aufständischen kontrollierten Gebieten. Zuvor hatte es nach übereinstimmenden Angaben zunächst keine Luftangriffe mehr gegeben. Allerdings wurden Rebellengebiete in der Nacht zum Freitag mit Artillerie beschossen.

Die UN gaben die Zahl der Zivilisten in den noch von Aufständischen kontrollierten Gebieten in Ost-Aleppo am Freitag mit etwa 100.000 an. Gruppen von Aufständischen und Dschihadisten hinderten laut UN die Bewohner daran, die Kampfgebiete in der Stadt zu verlassen und gingen sogar so weit, auf Flüchtende zu schießen.

Ein AFP-Reporter berichtete aus Ost-Aleppo, es werde immer schwieriger, an Nahrungsmittel zu kommen. Wegen der ständigen Bombardements sei es auf den Straßen zu gefährlich und Leichen blieben dort liegen.

Aleppo war früher eine blühende Wirtschafts- und Kulturmetropole, geriet dann aber in den Mittelpunkt des Bürgerkriegs. Die seit Jahren umkämpfte Stadt war bis vor kurzem in einen von der Regierung kontrollierten Westen und einen von Aufständischen gehaltenen Osten geteilt. Mitte November startete die syrische Armee eine Großoffensive, um Aleppo vollständig zurückzuerobern. Die von den USA unterstützten Aufständischen in Ost-Aleppo kontrollieren mittlerweile nur noch etwa 15 Prozent der bisher von ihnen gehaltenen Gebiete. (AFP)

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