Krieg oder Frieden? : Obama und Netanjahu uneins in der Iran-Frage

Obama spricht von Diplomatie, Netanjahu von gemeinsamen Feinden. Können die beiden Staatsmänner gegen den Iran eine gemeinsame Linie finden? Ein Auftritt der beiden im Weißen Haus lässt Zweifel.

Obamas Hoffnungen auf die Wirkung von Sanktionen und diplomatischen Bemühungen werden in Israel lange nicht von allen geteilt. Foto: dpa
Obamas Hoffnungen auf die Wirkung von Sanktionen und diplomatischen Bemühungen werden in Israel lange nicht von allen geteilt.Foto: dpa

Es sind nicht immer die gesprochenen Worte, die eine politische Haltung zeigen. Manchmal sind es auch die ungesagten. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kam beispielsweise nicht ein einziges Mal das Wort „Diplomatie“ über die Lippen, als er sich vor dem Treffen mit US-Präsident Barack Obama über den Iran und dessen Atomprogramm äußerte. Obama sprach bei dem gemeinsamen Auftritt im Oval Office des Weißen Hauses gleich drei Mal von Diplomatie.

Mehr Zeit als üblich gab der Terminplan den Führern der engen Verbündeten an diesem trüben, kalten Montag in Washington, um über ihren gemeinsamen Kurs gegen Teheran zu beraten. Von einem „ausgedehnten“ Mittagessen war die Rede. Die beiden hatten ein dickes Brett zu bohren, es ging um nicht weniger als Krieg oder Frieden in einer Region, die als Pulverfass gilt. Die USA wollen „in dieser kritischen Zeit“ weiter „an der diplomatischen Front“ wirken, bekräftigte Obama. Netanjahu sprach lieber davon, „den gemeinsamen Feinden zu begegnen“.

Die Begegnung der beiden Staatsmänner war freundlicher im Ton und verbindlicher als die meisten der acht vorangegangenen Treffen. Im vergangenen Mai noch war es im Weißen Haus beim Thema Nahost-Friedensprozess zum Eklat gekommen. Damals gaben sich die beiden nicht einmal Mühe, ihre Gegensätze schönzureden, diesmal schworen sie sich mehrfach ewige Treue und schüttelten eifrig Hände. Doch eine gemeinsame Sprache fanden die beiden Männer, die wohl keine Freude mehr werden, weiterhin nicht.

Die Israelis hätten die Amerikaner gern bei einem Militärschlag gegen iranische Atombunker auf ihrer Seite. „Wissen Sie“, erzählte Netanjahu dem Präsidenten in bildhafter Sprache über die Iraner, „für die sind Sie der große Satan und wir der kleine Satan. Wir gehören zusammen“. Obamas Rhetorik wirkte dagegen fast schon abwiegelnd: Er und der Netanjahu wüssten „um die Kosten jeder militärischen Aktion“. Eine unumstößliche Zusage, jede Entscheidung der Israelis mitzutragen, war das nicht.

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