Politik : Krieg um eine Nachricht

Eiszeit zwischen Blair-Regierung und BBC – der Sender bleibt dabei, dass London die Gefahr im Irak aufgebauscht habe

Matthias Thibaut[London]

Wem sollen die Briten glauben – der BBC und ihren angesehenen Journalisten oder der Regierung Blair und ihrem Kommunikationsdirektor Alastair Campbell? Am Montag brüteten die Köpfe des öffentlich-rechtlichen Senders über einem neuen Irakdossier. In letzter Minute will man dem Unterhausausschuss, der am kommenden Montag seinen Bericht über die „Propaganda-Dossiers“ der Downing Street veröffentlichen soll, noch bei der Wahrheitsfindung helfen und „Ungereimtheiten“ in der Aussage von Campbell vor dem Ausschuss auflisten. Alarmiert wurde die BBC durch Berichte, wonach der Ausschuss Campbell vom Vorwurf freisprechen werde, Geheimdienstdossiers zum Irak verändert und gegen den Willen der Nachrichtendienste verschärft zu haben.

Noch nie haben eine britische Regierung und die BBC so schrill miteinander gestritten. Generaldirektor Greg Dyke und sein Nachrichtenchef Richard Sambrook sandten vorige Woche ein hartes Schreiben an Campbell. Dieser hatte von der BBC verlangt, ihre falschen und journalistisch schlecht begründeten Behauptungen gegen ihn zurückzunehmen und sich zu entschuldigen. Im Mai hatte BBC-Militärkorrespondent Andrew Gilligan weltweit Schlagzeilen mit einem Bericht gemacht, demzufolge die Labour-Regierung und insbesondere Campbell Nachrichtendienstdossiers zum Irak „aufgebauscht“ haben. Insbesondere die Behauptung, Saddam Hussein könne innerhalb von 45 Minuten einen C-Waffen-Angriff starten, sei gegen den Willen der Geheimdienste in das Dossier eingefügt worden.

Doch die BBC will nicht nachgeben. Der Generaldirektor habe eine Auseinandersetzung nach dem Motto „alles oder nichts“ angeordnet und setze damit alles aufs Spiel, schrieb der konservative „Daily Telegraph“. Sollte der Unterhausausschuss Campbell Recht geben, müsse Dyke den Hut nehmen – sogar von Folgen für den Kampf der BBC um die Verlängerung der Finanzierung durch Rundfunkgebühren ist die Rede. Doch auf der anderen Seite ist der Einsatz kaum geringer. Ob der angeschlagene Premier Tony Blair eine Niederlage seines Weggefährten Campbell überleben könnte, ist fraglich.

Der BBC-Bericht beruht auf einer anonymen, ranghohen Quelle innerhalb der Geheimdienste und wird den strengen BBC-Richtlinien eigentlich nicht gerecht. Auf der anderen Seite hatte aber auch der britische Geheimdienst für die C-Waffen-Warnung nur „eine unzuverlässige Quelle“, wie das Verteidigungsministerium zugab.

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