Krieg zwischen Israel und Hamas : Viele Tote beim Häuserkampf in Gaza

Es war das blutigste Wochenende seit Jahren: Fast 90 Menschen sind durch Israels Militäroffensive im Gazastreifen ums Leben gekommen. Am Sonntag starben auch 13 Israelis bei Gefechten mit der Hamas. Zudem behaupten die Islamisten, sie hätten einen jüdischen Soldaten in ihre Gewalt gebracht.

Angst und Verzweiflung: Die Menschen in Gaza fliehen vor den Angriffen der israelischen Armee.
Angst und Verzweiflung: Die Menschen in Gaza fliehen vor den Angriffen der israelischen Armee.Foto: Reuters

Israels Bodenoffensive im Gazastreifen weitet sich zu einem Häuserkampf mit vielen Toten auf beiden Seiten aus. Am bisher blutigsten Tag der jüngsten Militäroperation beklagten die Palästinenser 87 Tote. Allein im Stadtteil Sadschaija habe es am Sonntag 60 Tote gegeben, darunter viele Frauen und Kinder. Dort wurden auch 13 Soldaten einer israelischen Elite-Einheit im Gefecht mit Kämpfern der Hamas getötet. Am Sonntagabend behaupteten die islamistischen Kämpfer zudem, sie hätten einen israelischen Soldaten in ihre Gewalt gebracht.

Augenzeugen sprachen von Dutzenden toten Palästinensern, die auf den Straßen von Sadschaija lagen. Ein israelischer Militärsprecher bezeichnete den Stadtteil als "Hochburg der Hamas". Die israelische Armeeführung zeigte sich trotz der schweren Verluste in den eigenen Reihen unbeirrt. „Wir sind fest entschlossen“, sagte Generalstabschef Benny Ganz am Abend. „Es tut mir sehr leid, wenn Zivilisten auf der anderen Seite getötet werden. Aber wir haben die Pflicht, unsere Bürger zu schützen.“ Jerusalem habe vor den Angriffen immer wieder gewarnt und die Bevölkerung aufgefordert, Sadschaija zu verlassen. Eine vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz vermittelte Feuerpause hielt nur kurz. Die zweistündige Kampfunterbrechung hätte dazu dienen sollen, Leichen zu bergen.

Seit Beginn der jüngsten israelischen Angriffswelle vor knapp zwei Wochen seien insgesamt 425 Menschen getötet und tausende verwundet worden, sagte ein Sprecher der palästinensischen Rettungskräfte. Ärzte beklagen bereits einen Mangel an Medikamenten und Ausrüstung bei der Behandlung der vielen Opfer. Die israelische Armee teilte am Sonntag mit, sie errichte ein Feldlager nahe der Grenze zum Gazastreifen. Dort sollen verletzte Palästinenser behandelt werden.

Proteste in Deutschland und Frankreich

Tausende Menschen haben in Deutschland gegen den israelisch-palästinensischen Militärkonflikt protestiert. In Göttingen wurden dabei mehrere Menschen verletzt, wie ein proisraelisches Bündnis mitteilte. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben Schlagstöcke ein, eine Beamtin erlitt Verwundungen am Kopf. Demonstrationen gab es auch in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern. In Paris lieferte sich die Polizei Straßenschlachten mit Demonstranten, die ein Versammlungsverbot ignorierten. In London zogen Tausende Menschen friedlich vor die israelische Botschaft und verlangten ein Ende der Angriffe.
Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, ist seitdem endgültig Makulatur.

Mit Blick auf die Konfliktherde im Nahen und Mittleren Osten hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) angeregt, das Konzept der „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE) auf die Krisenregion zu übertragen. In einem Beitrag für den Tagesspiegel schreibt er unter anderem: "Wir sollten über eine neue Ordnung für den Nahen und Mittleren Osten nachdenken, die die Sicherheitsinteressen der Akteure neu definieren und gewährleisten könnte." US-Außenminister John Kerry wird womöglich schon an diesem Montag in den Nahen Osten reisen, um im Gaza-Konflikt zu vermitteln. (AFP/dpa/Tsp)

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