• Kriegsberichterstattung: AP-Chefredakteur Gehrig im Interview: "Wir behandeln jede Quelle gleich"

Politik : Kriegsberichterstattung: AP-Chefredakteur Gehrig im Interview: "Wir behandeln jede Quelle gleich"

Warum haben Sie diese Meldung als Eilmeldung herau

Um 9 Uhr 02 meldete die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) in einer so genannten Eil- oder Vorrangmeldung, dass "bei amerikanischen Luftangriffen nach Angaban der Taliban-Behörden 200 Einwohner getötet worden" sind. Wir fragten den Chefredakteur der AP, Peter M. Gehrig, wie die Nachrichtenagentur zu ihren Informationen kommt und mit ihnen umgeht.

Warum haben Sie diese Meldung als Eilmeldung herausgegeben?

200 Tote sind eine Menge. Das ist der erste Grund. Wir behandeln zunächst jede Quelle gleich, das heißt, was die Taliban-Behörde sagt oder das US-Verteidigungsministerium wird gleichberechtigt behandelt.

Was ist, wenn die Meldung falsch ist?

Wir berichten ja nicht nur, was die Taliban nach ihren Angaben sagen, sondern auch, wenn die Amerikaner diesen Angaben widersprechen. Unsere Aufgabe ist es, Nachrichten zu transportieren.

Welche Quellen haben Sie?

Zunächst haben wir einen Korrespondenten in Kabul. Er hat sich freiwillig dazu entschieden, dort zu bleiben. Er ist Paschtune. Er hat lange Zeit für uns gearbeitet, immer seriös, deshalb vertrauen wir ihm. Natürlich kann er keine Leichen zählen, aber er kann uns erzählen, was in Kabul und um die Stadt herum passiert. Zudem hören wir die dortigen Radiosender ab, nutzen die dortigen Nachrichtenagenturen, Statements von Behörden und unsere Verbindungsleute in verschiedenen Organisationen.

Haben Sie Richtlinien, nach denen Sie handeln?

Ja. Und in diesen Tagen werden alle Mitarbeiter darauf erneut eingestellt, wir versuchen, Ihnen Leitlinien zu vermitteln. Dazu gehört, dass wir vermeiden müssen, uns die Sprache der Quellen zu Eigen zu machen. Wir müssen eine neutrale Sprache benutzen. Der Draht, wie wir unsere Nachrichtenübermittlung nennen, darf nicht der Ort sein, um den Patriotismus des jeweiligen Mitarbeiters zur Schau zu stellen.

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