Kriegsdienstverweigerer : "Zivildienst ist in Deutschland verzichtbar"

Eine Aussetzung der Wehrpflicht, die gleichbedeutend mit dem Wegfall des Zivildienstes wäre, würde die soziale Infrastruktur in Deutschland nicht beeinträchtigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Zentralstelle für Kriegsdienstverweigerer in einer Stellungnahme für das Bundesfamilienministerium, das

Anfang September 2010 im Bundeskabinett berichten soll, welche Folgen

Veränderungen bei der Wehrpflicht haben könnten. „Selbst ein sofortiger Wegfall des Zivildienstes würde angesichts vielfältiger Erfahrungen mit Verkürzungen der Dienstzeiten zu keiner ,sozialen Katastrophe’ führen“, heißt es darin. Der Wegfall des Zivildienstes werde sich „bei den allermeisten Arbeitsbereichen in allgemeinwohlorientierten Einrichtungen angemessen kompensieren lassen.“ Derzeit seien nur knapp 40 000 Zivis im Dienst, 1999 habe die Zahl noch bei über 145 000 gelegen. „Offensichtlich ist es gelungen, die sozialen Dienstleistungen, die vor gut zehn Jahren von über 100 000 Zivildienstleistenden erbracht wurden, zu ersetzen“, heißt es in dem Papier. Heute machten Zivildienstleistende nur noch gut ein Prozent der Beschäftigten bei gemeinwohlorientierten Einrichtungen in Pflegehilfe und Betreuungsdiensten aus. Überschätzt wird nach Meinung von Geschäftsführer Peter Tobiassen auch der volkswirtschaftliche Nutzen des Dienstes. Würden von den bisher für den Zivildienst vorgesehenen 567 Millionen Euro im Bundeshaushalt nur 170 Millionen an die Bundesagentur für Arbeit gegeben, könnten damit Tobiassen zufolge 15 000 Ersatzarbeitskräfte finanziert werden. Die Zentralstelle macht sich für einen Jugendfreiwilligendienst als „die einzig wirkungsvolle Alternative zu jeglicher Art von Pflichtdienst“ stark. mis

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