Kriegsgefahr : Nordkorea versetzt Truppen in Kampfbereitschaft

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea spitzt sich zu: Seoul kündigt Manöver für U-Boot-Zerstörer im Gelben Meer an.

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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il hat seine Streitkräfte in Kampfbereitschaft versetzt, will alle Beziehungen zu Südkorea abbrechen und eine Nichtangriffsvereinbarung mit Südkorea außer Kraft setzen. Dies sei Kims Reaktion auf einen Untersuchungsbericht, wonach die Korvette „Cheonan“ im März durch einen Torpedoangriff von Nordkorea versenkt wurde, erklärte die in Seoul ansässige Gruppe Solidarität Nordkoreanischer Intellektueller (NKIS). Nordkorea bestreitet, für den Untergang des Kriegsschiffs verantwortlich zu sein.

Kim verkündete, dass er keinen Krieg wolle – sein Land sei aber bereit, jeden Angriff zurückzuschlagen. Das kommunistische Land setzt seine Truppen regelmäßig in Alarmbereitschaft – etwa wenn Südkorea und die USA Truppenübungen veranstalten. Doch Kims Kriegsrhetorik heizt den Konflikt an. Anhaltende Kriegsgefahr scheint seinen verarmten stalinistischen Staat noch zusammenhalten zu können.

Viel Spielraum bleibt Südkorea nicht, um zu reagieren – wenn man einen Krieg vermeiden will. Nach sechs Jahren wurden wieder antinordkoreanische Propagandasendungen mit Nachrichten und westlicher Musik ausgestrahlt, Lautsprecher sollen die Grenze beschallen.

„Wir haben Nordkoreas Brutalität immer wieder ertragen. Aber diesmal liegen die Dinge anders“, erklärte Südkoreas Präsident Lee Myung Bak mit versteinerter Miene im Fernsehen: „Nordkorea wird einen Preis für seine Provokation zahlen müssen.“ Er kündigte an, den Weltsicherheitsrat anzurufen, den Handel mit Nordkorea weitestgehend einzustellen und die Gewässer für nordkoreanische Handelsschiffe sperren. Für Donnerstag wurde ein Unterwassermanöver im Gelben Meer angekündigt. Zudem plant Südkorea mit den USA gemeinsame Seemanöver, bei denen U-Boot-Kämpfe trainiert werden sollen. Dies sei „wichtig, um unser starkes Fundament der Zusammenarbeit und Abschreckung auszubauen“, sagte Pentagon-Sprecher Bryan Whitman. US-Außenministerin Hillary Clinton, die heute in der Seoul erwartet wird, hatte sich bereits am Montag in Peking demonstrativ hinter Südkorea gestellt: Nordkorea habe eine „höchst brenzlige Situation“ in der Region verursacht, die unter Kontrolle gehalten werden müsse.

Die wichtigste Rolle bei einer Lösung wird wohl China zukommen, das gute Beziehungen zu Nordkorea pflegt. „Die chinesische Regierung versteht den Ernst der Situation“, erklärte Clinton. Doch auch China forderte lediglich alle Beteiligten auf, in der Krise einen kühlen Kopf zu bewahren. Der direkte Nachbar befürchtet viele Flüchtlinge, sollte sich die Versorgungslage in Nordkorea verschlechtern.

Südkorea muss das Militär des heruntergewirtschafteten Nordkorea nicht fürchten. Doch die USA wollen und Südkorea kann Nordkoreas Provokation nicht unbeantwortet lassen – ein riskantes Spiel.

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