Kriegsverbrechen : Ex-US-Soldat muss sich vor Zivilgericht verantworten

In Kalifornien steht ein ehemaliger US-Soldat vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, unbewaffnete Kriegsgefangene im Irak ermordet zu haben. Der Angeklagte weist die Vorwürfe zurück.

Los AngelesMit der Auswahl der Geschworenen hat am Dienstag im US-Bundesstaat Kalifornien der Prozess gegen einen wegen Mordes an zwei irakischen Kriegsgefangenen angeklagten ehemaligen Soldaten begonnen. Der 28-jährige José Nazario ist vor dem Bezirksgericht von Riverside östlich von Los Angeles angeklagt. Nach Angaben seiner Anwälte ist es das erste Mal, dass sich ein US-Soldat wegen Taten, die während eines Kriegseinsatzes begangen wurden, vor einem Zivilgericht verantworten muss. Nazario weist die Vorwürfe zurück.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den ehemaligen Unteroffizier der US-Marines, im November 2004 bei einer Razzia im Irak zwei unbewaffnete Gefangene erschossen zu haben. Zudem soll er den ihm untergebenen Soldaten Ryan Weemer und Jermaine Nelson die Erschießung zweier weiterer Unbewaffneter befohlen haben. Da die beiden noch in der Armee sind, werden sie sich in diesem Jahr vor einem Militärgericht verantworten müssen. Der Vorfall war im Jahr 2006 bekannt geworden, als Weemer bei einer Befragung durch den Geheimdienst die Frage bejahte, er habe schon einmal ungerechtfertigt getötet.

Nazarios Anwälte sehen in dem Prozess einen gefährlichen Präzedenzfall, da nach ihrer Ansicht zivile Geschworene nicht über im Kampf getroffene Entscheidungen urteilen dürfen. Nach ihrer Ansicht könnte eine Verurteilung des Angeklagten in der Armee zu Verunsicherung führen. Die Auswahl der Geschworenen soll am Donnerstag abgeschlossen sein, dann beginnt der Prozess mit den Eröffnungsplädoyers. (ae/AFP)

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