Kriegsverbrechen : Liberias Ex-Präsident erscheint erstmals vor Tribunal

Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte frühere Präsident Liberias, Charles Taylor, ist zum ersten Mal vor dem Sondertribunal für Sierra Leone erschienen. An seiner Haltung hat sich wenig geändert.

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Charles Taylor hat seinen Boykott zumindest vorerst beendet. -Foto: dpa

Den HaagDer wegen Kriegsverbrechen angeklagte ehemalige Präsident des afrikanischen Staates Liberia, Charles Taylor, ist überraschend wieder zu seinem Prozess erschienen. Nachdem er das in Den Haag tagende Sondergericht für Sierra Leone zwei Mal boykottiert hatte, nahm er heute wieder auf der Anklagebank Platz. Mit Blick auf die in der Zwischenzeit leicht geänderte Anklage bezeichnete er sich erneut als nicht schuldig.

Schon vor dieser Sitzung hatte das Gericht entschieden, das Verfahrern gegen Taylor bis zum 20. August auszusetzen. Bis dahin soll das frühere Staatsoberhaupt ein besser als bisher ausgestattetes Team zu seiner Verteidigung erhalten. Den früheren Boykott des Verfahrens hatte Taylor damit begründet, seine Verteidigung sei finanziell und personell so schwach, dass nicht von einem fairen Prozess gesprochen werden könne.

Taylor soll von Liberia aus während des Bürgerkriegs im Nachbarland Sierra Leone eine äußerst brutale Rebellengruppe mit Geld und Waffen versorgt haben. Er wird deshalb mitverantwortlich gemacht für den Einsatz von Kindersoldaten, für ungezählte Morde an der Zivilbevölkerung, für Vergewaltigungen und Verstümmelungen. Das von den Vereinten Nationen unterstützte Sondergericht verfolgt die mutmaßlichen Haupttäter des Bürgerkrieges. Es tagt üblicherweise in Sierra Leones Hauptstadt Freetown, doch wurde der Taylor-Prozess aus Sicherheitsgründen nach Den Haag verlegt. (mit dpa/AFP)

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