Kriegsverbrecher-Tribunal : Seselj: Deutschland und Vatikan schuld an Jugoslawienkrieg

Vor dem UN-Tribunal in Den Haag muss sich derzeit der serbische Nationalistenführer Vojislav Seselj verantworten. Vor Gericht hat er heute Deutschland und den Vatikan beschuldigt, für das Auseinanderfallen Jugoslawiens Anfang der 90er Jahre verantwortlich zu sein.

Den HaagDeutschland und der Vatikan seien die treibenden Kräfte gewesen, denen sich später auch die USA angeschlossen hätten, sagte Seselj vor dem UN-Tribunal.

Er spielte damit auf die frühzeitige Anerkennung Kroatiens durch Deutschland und den Vatikan an. Das Land hatte sich 1991 für unabhängig von Jugoslawien erklärt. Diejenigen, die Jugoslawien damals auseinanderbrechen wollten, seien verantwortlich für den folgenden Bürgerkrieg gewesen, sagte Seselj. Die Serben hätten gegen die internationalem Recht widersprechende Zerschlagung Jugoslawiens gekämpft.

Anklage: Hetzreden und Anwerbung von Milizionären

Seselj ist angeklagt, weil er aufgrund von Hetzreden und der Anwerbung von Milizionären mitschuldig an der Ermordung und Vertreibung zahlloser Kroaten und Muslime sein soll. Er bezeichnete die Anklage als "lächerlich". Die meisten Vorwürfe bezeichnete er als frei erfunden oder konstruiert.

Er bekannte sich dazu, dass die von ihm geführte Serbische Radikale Partei (SRS) Freiwillige für den Krieg geworben habe. Sie hätten an Kämpfen teilgenommen, aber niemals Verbrechen verübt. Auch seien seine, von der Anklage zitierten Drohungen an die Adresse von Kroaten und Muslimen kein Aufruf zu Gewalttaten gewesen. Vielmehr habe er vor Übergriffen gegen Serben warnen wollen, um diese zu verhindern. "Ich habe als Friedensstifter gehandelt."

UN-Tribunal soll "antiserbisches Instrument" sein

Seselj ist immer noch Vorsitzender der Serbischen Radikalen Partei, die trotz ihrer Oppositionsrolle stärkste politische Kraft in Belgrad ist. Er hatte sich 2003 dem UN-Tribunal gestellt mit dem Ziel, es als antiserbisches Instrument zu entlarven. Am Tag nach der Eröffnung der Anklage hatte er vier Stunden Zeit für eine persönliche Erklärung. Er sagte, er sei wegen seiner nationalistischen Ideologie angeklagt, auf die er aber stolz sei.

Seselj bat das Gericht um die höchste Strafe, damit er zeigen könne, dass er zu dieser "unsterblichen" Ideologie stehe. Er bedauerte es, dass das UN-Tribunal die Todesstrafe nicht verhängen kann. So könne er nicht wie der hingerichtete irakische Diktator Saddam Hussein für seine Überzeugung sterben. (mit dpa)

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