Kriegsverbrecherprozess gegen Syrien-Heimkehrer : Helfer mit Kalaschnikow?

In Frankfurt hat ein Prozess wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gegen einen 21 Jahre alten Syrien-Heimkehrer begonnen. Der Deutsche mit iranischen Wurzeln soll auf Fotos mit aufgespießten Köpfen posiert haben.

Mit einem weißen T-Shirt bekleidet steht der Angeklagte Aria L. in einen Hochsicherheitssaal des Oberlandesgerichts in Frankfurt am Main neben seinem Anwalt Andreas Bensch.
Mit einem weißen T-Shirt bekleidet steht der Angeklagte Aria L. in einen Hochsicherheitssaal des Oberlandesgerichts in Frankfurt...Foto: dpa

Er soll in Syrien für Fotos mit aufgespießten Köpfen posiert haben - nun muss sich ein 21-Jähriger vor dem Oberlandesgericht Frankfurt verantworten. Aria L. wird ein Kriegsverbrechen vorgeworfen. Der Angeklagte sagte am Dienstag vor Gericht, er sei „zufällig“ auf das Foto geraten. „Ich wollte nicht mit aufs Bild“, sagte der mehrfach vorbestrafte Mann: „Ich bin ein sensibler Mensch und wollte in Syrien nur helfen“.

Der Deutsche mit iranischen Wurzeln aus Offenbach hat laut Bundesanwaltschaft im März/April 2014 die Fotos in Syrien machen lassen. Anschließend verbreitete er sie im Internet. Er habe damit die Getöteten verhöhnen und in ihrer Totenehre herabwürdigen wollen, wirft ihm die Anklage vor. Der Prozess gegen die entsprechende Vorschrift des Völkerstrafgesetzbuches gilt als Pilotverfahren und ist für den Staatsschutzsenat „Neuland“. Deshalb komme auch eine Absprache mit einem im Voraus in Aussicht gestellten Strafmaß nicht in Betracht, sagte Vorsitzender Richter Thomas Sagebiel.

Am ersten von sechs geplanten Verhandlungstagen bemühte sich der Angeklagte, den Vorfall auf einem syrischen Schulhof herunter zu spielen. Er sei von anderen quasi genötigt worden, vor die Kamera zu treten. Wer das Bild gemacht habe, wisse er nicht. Und auch die Verbreitung im Internet sei nicht von ihm ausgegangen.

Auf die Idee, mit 5000 Euro Bargeld und zwei Koffern Altkleidern nach Syrien zu reisen, sei er gekommen, nachdem er mit seiner Mutter Streit über deren neuen Freund hatte. Der Mann habe in die heimische Wohnung einziehen und ihn vertreiben wollen.

Zum Islam hingezogen aber habe er sich bereits ein Jahr vorher gefühlt. Ein Bekannter aus dem Fitness-Studio habe ihm entsprechende Literatur gegeben. „Im Internet habe ich Islam als Suchbegriff eingegeben. Mal sehen, was da kommt“.

Mit seinen Ausführungen strapazierte Aria L. die Geduld des Vorsitzenden Richters indes erheblich: „Braucht man zum Helfen denn eine Kalaschnikow?“, fragte der Richter. „Sie sind doch da runter, um den Max zu machen. Ihr larmoyantes Gerede geht mir langsam gegen den Strich“.

Schon im Vorfeld des Prozesses hatte der Angeklagte den Ärger des Richters auf sich gezogen. Nach Übergriffen auf seine Freundin während eines Besuchs im Gefängnis waren ihm Besuchs- und Telefonerlaubnis entzogen worden.

Der Prozess wird morgen (Mittwoch) mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Die bislang vereinbarten Verhandlungstermine reichen bis zum 14. Juni. (dpa)

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