Politik : Kriegsverbrecherprozess: Haager Tribunal verurteilt Vergewaltiger

Das Kriegsverbrechertribunal der Uno für das ehemalige Jugoslawien hat drei bosnische Serben wegen Folter und Vergewaltigung moslemischer Mädchen und Frauen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Manche der Opfer waren gerade erst zwölf Jahre alt. Der 40-jährige Draguljub Kunarac wurde zu 28 Jahren verurteilt, der 39-jährige Radomir Kovac zu 20 Jahren und der 39-jährige Zoran Vukovic zu zwölf Jahren. Sie hätten sich mit den Vergewaltigungen im bosnischen Bürgerkrieg 1992 schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht, urteilte das Gericht am Donnerstag in Den Haag.

"Vergewaltigung wurde von den Angehörigen der Armee der bosnischen Serben als Terrorinstrument benutzt", sagte Richterin Florence Mumba in der Urteilsbegründung. Bei den Angeklagten habe es sich nicht um einfache Soldaten gehandelt, deren Moral durch die Härten des Krieg gelitten habe. Gesetzlose Opportunisten dürften keine Gnade erwarten, ganz gleich wie niedrig ihre Stellung in der Befehlshierarchie sei.

Mit dem Urteil wurden zum ersten Mal die in Kriegen vorkommenden Vergewaltigungen von Frauen der Kriegsgegner als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gebrandmarkt. Der Prozess war zudem der erste Kriegsverbrecherprozess, in dem sexuelle Gewalt gegen Frauen als alleiniger Anklagepunkt zur Verhandlung stand.

Der in internationalen Abkommen vereinbarte besondere Schutz für Frauen in Kriegsgebieten existiert oftmals nur auf dem Papier. Frauen sind in Konfliktzonen mit Vergewaltigung, Missbrauch und sexueller Folter weiter extremen Formen der Gewalt ausgesetzt. Experten sind aber davon überzeugt, dass die Anerkennung von Vergewaltigung als Kriegsverbrechen ein Beitrag dazu ist, das Klima der Straflosigkeit in Kriegsgebieten zu beenden.

Das Ausmaß der Vergewaltigungen und die Verantwortung dafür hat bei den Kriegen im früheren Jugoslawien zu heftigen Diskussionen auch im Ausland geführt. Die Zahl der Opfer lässt sich nicht genau beziffern. So sind im Bosnien-Krieg nach unterschiedlichen Angaben 10 000 bis 60 000 Frauen misshandelt worden.

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