Politik : Kriegsverbrechertribunal: Verteidiger unter Verdacht: Anwaltshonorare an Angeklagte?

Das Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen für das ehemalige Jugoslawien untersucht Behauptungen, wonach Pflichtverteidiger einen Teil ihrer Honorare an Angeklagte weitergeben. "Wir sehen dies als eine schwerwiegende Angelegenheit an, müssen aber erst einmal Fakten ermitteln", sagte Tribunalsprecher Jim Landale am Montag. Ob das Tribunal konkrete Schritte einleiten wird, sei offen. Die Untersuchung ist eine Reaktion auf Berichte in jugoslawischen und niederländischen Zeitungen. Danach führen einige Anwälte 20 bis 40 Prozent ihrer von den UN gezahlten Honorare an Angeklagte ab. Sie zeigten sich damit erkenntlich dafür, dass der Angeklagte den jeweiligen Anwalt als seinen Verteidiger ausgewählt habe.

Unterdessen bestätigte das UN-Kriegsverbrechertribunal mit einer Entscheidung im so genannten Foca-Prozess die Tendenz internationaler Gerichte, Vergewaltigung als Kriegsverbrechen zu betrachten. Im Prozess gegen drei bosnische Serben, die im Bosnienkrieg systematisch moslemische Frauen vergewaltigt haben sollen, wiesen die Richter einen Antrag der Verteidigung ab, die gefordert hatte, den Anklagepunkt der Folter gegen zwei Mandanten fallen zu lassen. Andere Tribunale haben Vergewaltigung bereits als Verbrechen gegen die Menschlichkeit geahndet. Radomir Kovac, Dragoljub Kunarac und Zoran Vukovic werden insgesamt 33 Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen, Kunarac und Vukovic zudem Folter.

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