Kriminalität : Bundesweite Razzien gegen Islamisten - auch in Berlin

In ganz Deutschland durchsuchten Polizisten am Morgen die Wohnungen von neun mutmaßlichen islamischen Extremisten. Sie sollen gezielt zur Teilnahme am Heiligen Krieg aufgerufen haben.

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Razzia. Auch in Berlin wurden bei der bundesweiten Aktion Wohnungen durchsucht. -Foto: ddp

Neu-Ulm/BerlinDie Staatsanwaltschaft München hat am Mittwoch eine bundesweite Razzia gegen mutmaßliche Islamisten durchgeführt. In Berlin wurden sechs Wohnungen durchsucht und zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt. Ziel der Aktion sei gewesen, strafrechtlich relevante Publikationen sicherzustellen und Erkenntnisse über deren Herstellung zu gewinnen. Etwa 130 Polizisten durchsuchten insgesamt 16 Privatwohnungen, Vereins- und Verlagsräume in Berlin, Neu-Ulm, Ulm, Sindelfingen, Bonn und Leipzig.

Die Aktion wegen des Verdachts "der Bildung einer kriminellenVereinigung" richtete sich gegen neun deutsche Staatsangehörige im Alter zwischen 25 und 47 Jahren, die den Angaben zufolge überwiegend Migrationshintergrund haben. Unter ihnen befinden sich auch zwei Imame. Bei zwei Männern aus Ulm und Sindelfingen (Kreis Böblingen) handelt es sich um einen 26-jährigen Deutschen palästinensischer Herkunft und einen 27-jährigen Konvertiten. Gegen die Männer laufen Ermittlungen wegen Straftaten wie Volksverhetzung und Anwerbung zu einem fremden Wehrdienst. Außerdem besteht der Verdacht, dass sie radikale Literatur, Audio- und Videomedien verbreitet haben.

Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung

Ihnen wird vorgeworfen, seit September 2005 ausgehend vom ehemaligen Neu-Ulmer Multikulturhaus versucht zu haben, Muslime und Nichtmuslime "zu islamisieren und zu radikalisieren". Dabei sollen sie sich auch gezielt darum bemüht haben, deren Bereitschaft zur Teilnahme am sogenannten Heiligen Krieg (Dschihad) im In- und Ausland zu fördern, hieß es aus Ermittlerkreisen. Die Aktivitäten der Verdächtigen würden von der Ablehnung der freiheitlich demokratischen Grundordnung getragen.

Das Multikulturhaus war im Dezember 2005 geschlossen worden, da sich dort mehrfach radikale Islamisten aufgehalten haben sollen. Unter ihnen der Deutsch-Ägypter Reda Seyam, der dem Terrornetzwerk al-Qaida zugerechnet wird und derzeit in Berlin lebt. (stb/ddp)

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