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Kriminalität : EU-Kommission: Menschenhandel in Europa hat stark zugenommen

15.04.2013 17:14 Uhrvon

Eine EU-Richtlinie sollte den Menschenhandel in Europa eindämmen. Doch der Markt ist gewachsen. Warum?

Es ist eine moderne Form der Sklaverei: Weltweit werden nach Zahlen der Vereinten Nationen 2,45 Millionen Personen Opfer von sogenannten Menschenhändlern. Diese nutzen die Notlagen besonders von Frauen und Kindern aus, um sie zu sexuellen Zwecken oder als Zwangsarbeiter auszubeuten. Auch innerhalb der Europäischen Union ist der Markt für die Ware Mensch in den vergangenen Jahren gewachsen, wie eine Studie der EU–Kommission belegt. Dabei hatte Brüssel im Jahr 2011 eine Richtlinie verabschiedet, die den Boom eindämmen sollte. Doch offenbar haben viele Staaten Schwierigkeiten, die Direktive umzusetzen.

Wie hat sich der Menschenhandel in Europa in den vergangenen Jahren entwickelt?

Das Statistikamt der Europäischen Union, Eurostat, und das Generaldirektorat für Inneres der EU-Kommission haben für die Studie statistische Daten aus den Jahren 2008 bis 2010 miteinander verglichen.

Laut EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström wurden im Jahr 2011 in der Europäischen Union rund 9500 Personen Opfer von Menschenhändlern – fast ein Fünftel mehr als 2008.

Die meisten Fälle meldeten dabei Italien (2381), gefolgt von Spanien (1605), Rumänien (1154) und den Niederlanden (993). In der Bundesrepublik gab es 651 Opfer. 61 Prozent von ihnen kommen dabei aus den EU-Staaten, Afrika (14 Prozent), Asien (sechs Prozent) und Lateinamerika (5 Prozent). Die Menschenhändler haben es dabei offenbar vor allem auf Frauen und Mädchen abgesehen: 80 Prozent der Betroffenen sind weiblich.

Welche Formen von Menschenhandel gibt es?

Die EU-Kommission definiert Menschenhandel in ihrer Richtlinie als „Rekrutierung, Transport, Transfer, Beherbergung oder Empfang von Personen (...) durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt (...) oder den Machtmissbrauch (...) zum Zweck der Ausbeutung“. Die Studie der EU-Kommission listet dabei explizit auf, wie die Opfer von Menschenhändlern zu Schaden kommen: Knapp zwei Drittel (62 Prozent) der Betroffenen werden sexuell ausgebeutet und müssen sich prostituieren, ein Viertel von ihnen wird zur Arbeit, etwa auf dem Bau, gezwungen.

Außerdem subsumiert die EU–Kommission auch den Zwang zum Betteln sowie die illegale Entnahme und den Verkauf von menschlichen Organen und den Handel mit Kindern unter dem Themenkomplex. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen ist all dies ein sehr lukratives Geschäft: Die Ware Mensch sei nach dem Drogenhandel die zweitgrößte illegale Profitquelle überhaupt.

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