Kriminalität : Tod auf der Parkbank

Die Staatsanwaltschaft Dessau hat jetzt nach einem besonders brutalen Gewaltverbrechen in der Stadt Anklage wegen Mordes gegen zwei mutmaßliche Rechtsextremisten erhoben.

Frank Jansen

Berlin - Thomas F. (34) und Sebastian K. (23) sollen in der Nacht zum 1. August einen auf einer Parkbank sitzenden, vermutlich schlafenden Mann mit einer Vielzahl von Schlägen und Tritten misshandelt haben.

Dem Opfer wurde nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auch ein Abfallbehälter aus Metall auf den Kopf geschlagen. Dadurch sei wahrscheinlich der Tod eingetreten, sagte Oberstaatsanwalt Christian Preissner dem Tagesspiegel. Die Angeklagten waren kurz nach der Tat festgenommen worden und sitzen in Untersuchungshaft. Preissner hatte lange überlegt, ob er in der Anklage den Beschuldigten ein rechtsextremes Motiv vorhalten kann. Der Oberstaatsanwalt verzichtete darauf, weil es keine direkten Tatzeugen gibt. Als Motiv wird nun das Mordmerkmal der „niedrigen Beweggründe“ genannt.

Der getötete, 50-jährige Hans-Joachim S. lebte in einer Einrichtung für betreutes Wohnen in Halle. Warum er sich in der Nacht zum 1. August in Dessau aufhielt, ist unklar. Preissner schließt nicht aus, dass die Angeklagten das Opfer für einen Obdachlosen hielten und sich anmaßten, einen vermeintlich minderwertigen Menschen mit Gewalt zu erniedrigen – bis in den Tod. Sollte das Landgericht die Mordanklage zulassen, werde die Staatsanwaltschaft im Prozess „der Hypothese eines rechtsextremen Tatmotivs weiter nachgehen“, sagte Preissner.

Die Indizien für eine braune Gesinnung der Angeklagten wiegen schwer. Nach Informationen des Tagesspiegels entdeckte die Polizei auf dem Handy eines Angeklagten Hakenkreuze, die Parole „Juden sind unser Unglück“ und Musik der Band „Sturmwehr“. Auf dem Handy des anderen Angeklagten fanden sich Lieder der „Zillertaler Türkenjäger“, die bekannte Schlagermelodien mit rassistischen Texten kombinierten. Die in der rechten Szene populäre CD ist in Deutschland verboten. Die Staatsanwaltschaft Dessau hat wegen der rechtsextremen Inhalte gesonderte Ermittlungsverfahren eingeleitet, wegen des Verdachts auf Volksverhetzung, Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen und Verwendung von Kennzeichen solcher Organisationen.

Der Mordprozess gegen Thomas F. und Sebastian K. könnte im Januar 2009 beginnen, hieß es in Justizkreisen. Wie der Tagesspiegel erfuhr, haben sich die Beschuldigten gegenseitig belastet. Jeder bestritt aber, selbst Hans-Joachim S. geprügelt zu haben. Beide Angeklagte waren bereits mit Gewalttaten aufgefallen.

In zwei weiteren Fällen aus dem August hatte die Staatsanwaltschaft Magdeburg kürzlich Anklage erhoben. In Magdeburg hatte ein Rechtsextremist einen Kunststudenten zu Tode getreten, in Bernburg wurde ein junger Gelegenheitsarbeiter von einem Neonazi erstochen. Beide Male lautet die Anklage auf Totschlag.

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