Krise im Sahel : Blauhelme für Mali

USA und Frankreich fordern aus der afrikanischen Truppe eine UN-Friedenstruppe zu machen. Tuareg-Milizen berichten, sie hätten zwei Islamistenführer festgesetzt.

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Unter Kontrolle. Ein malischer Soldat an einer Straßensperre in der eroberten Stadt Diabali. Der Armee werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.
Unter Kontrolle. Ein malischer Soldat an einer Straßensperre in der eroberten Stadt Diabali. Der Armee werden...Foto: dpa

Der amerikanische Vizepräsident Joe Biden hat sich für einen baldigen UN-Blauhelmeinsatz in Mali ausgesprochen. Zunächst müsse „so schnell wie es vernünftigerweise möglich ist“ eine internationale, von afrikanischen Staaten geführte Einsatztruppe für das westafrikanische Land aufgebaut werden, sagte Biden nach einem Treffen mit Frankreichs Staatschef François Hollande in Paris. Diese müsse dann den Vereinten Nationen unterstellt werden, sobald die „Vorsicht“ dies erlaube. In dieser Frage seien sich die USA und Frankreich einig.

Frankreich hatte am 11. Januar militärisch in Mali eingegriffen, um einen Vormarsch islamistischer Milizen auf die Hauptstadt Bamako zu stoppen. Die Islamisten wurden schnell aus den wichtigen Städten der Region vertrieben, die sie gut neun Monate unter ihrer Kontrolle gehabt hatten. Inzwischen bauen die Staaten der westafrikanischen Regionalorganisation Ecowas eine Schutztruppe unter dem Namen Afisma auf. Zudem hat der Tschad 2000 Soldaten gestellt.

Das könnte einer der Gründe für den Ruf nach den UN sein. Denn der Tschad gehört nicht zu Ecowas. Die Truppen des Tschad stehen offenbar unter eigenem Kommando, während die Ecowas-Truppen von einem nigerianischen General befehligt werden. Der Sahel-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Wolfram Lacher, hält die Ecowas auch deshalb nicht für den richtigen Rahmen, weil die für eine Befriedung der Region sehr wichtigen Nachbarstaaten Algerien und Mauretanien Ecowas ebenfalls nicht angehören. Marokko konnte sich noch nicht einmal überwinden, der Afrikanischen Union beizutreten. Die UN sind die einzige Organisation, in der alle relevanten Staaten der Region Mitglieder sind.

Tuareg-Gruppen haben nach eigenen Angaben zwei führende Mitglieder der islamistischen Extremisten gefasst. Das sagte ein Sprecher der Tuareg-Organisation MNLA (Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad) in Paris der Nachrichtenagentur dpa. „Ich kann bestätigen, dass MNLA-Einheiten Mohamed Moussa Ag Mohamed al Mostafa und Oumeini Ould Baba Ahmed am Samstag nahe der algerischen Grenze gefasst haben“, sagte Moussa Ag Assarid.

Mohamed Moussa Ag Mohamed al Mostafa soll bei der islamistischen Tuareg- Gruppe Ansar Dine (Bewahrer des Glaubens) die Religionspolizei geführt haben. Nach Angaben von Ag Assarid war er für die Einführung einer mittelalterlichen Auslegung der Scharia in der Wüstenstadt Timbuktu verantwortlich. Er soll veranlasst haben, dass zahlreichen Menschen Hände oder Füße abgehackt wurden. Baba Ahmed soll ein führendes Mitglied von Mujao (Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika) sein, die bis vor kurzem die Stadt Gao beherrscht hat. Die Ansar-Dine-Abspaltung MIA (Islamische Bewegung von Azawad) hat ebenfalls behauptet, die beiden Islamisten festgesetzt zu haben. Die französische Armee bestätigte die Festnahme, ließ aber offen, wer die beiden Männer gefangen hält.

Unterdessen bombardierten französische Einheiten am Montag erneut Islamisten-Stellungen in der Region. Es würden Luftangriffe auf das Ifoghas-Gebirge nördlich der Stadt Kidal in der Nähe der algerischen Grenze geflogen, sagte ein malischer Militärsprecher. Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte, mit den Angriffen sollten die Rebellen von ihren Versorgungslinien abgeschnitten werden. Bereits am Sonntag hatte die französische Luftwaffe mit 30 Maschinen Depots und Trainingslager der Rebellen in der Region bombardiert.

Frankreich will seine Truppen möglichst schnell aus Mali abziehen. Im Nachbarland Niger haben französische Spezialeinheiten inzwischen mit Zustimmung der Regierung damit begonnen, die großen Uran-Minen des französischen Atomkonzerns Areva zu schützen. mit AFP/dpa

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