Krise in den Anden : Nicaragua bricht diplomatische Beziehungen zu Kolumbien ab

Nach dem Luftangriff Kolumbiens auf Rebellenstellungen in Ecuador zog nun der nicaraguanische Präsident Daniel Ortega seinen Botschafter aus Bogotá ab. Währenddessen macht Washington in dieser Krise seinen ersten sichtbaren Schachzug.

Daniel Ortega
Der ecuadorianische Präsident Raffael Correa (r.) hat in dem nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega einen weiteren Verbündeten...Foto: AFP

ManaguaNicaragua hat seine diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien abgebrochen. Dies teilte Präsident Daniel Ortega in Managua mit. Der Abbruch der Beziehungen bedeute auch einen Bruch "mit der terroristischen Politik" der kolumbianischen Regierung sowie mit Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe, sagte Ortega.

Damit reagierte der nicaraguanische Präsident auf den Angriff der kolumbianischen Luftwaffe am Samstag auf ein Rebellen-Lager mit Streubomben auf ecuardorianischen Territorium. Dabei waren neben der Nummer Zwei der marxistischen Rebellengruppe "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC), Raúl Reyes, nach ecuadorianischen Angaben auch 21 weitere Rebellen getötet worden. Nach der Bombardierung waren kolumbianische Bodentruppen nach Ecuador eingedrungen, um Reyes' Leiche nach Kolumbien zu bringen. Ecuador und Venezuela brachen daraufhin die diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien ab und schickten Truppen an die Grenzen des Nachbarlands. Beide Länder schlossen ihre Grenzen für den Reise- und Warenverkehr.

Derzeit ist der ecuadorianische Präsident Rafael Correa zu Besuch in Nicaragua. Correa befindet sich auf einer Rundreise durch die Staaten der Region, um für seine Haltung gegenüber Kolumbien zu werben. Ecuador verlangt eine internationale Verurteilung des kolumbianischen Militäreinsatzes, andernfalls werde sein Land bis "zur äußersten Konsequenz" gehen, hatte Correa angekündigt.

Die Streitparteien finden keine Lösung am Verhandlungstisch der OAS

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) konnte sich bei einer Krisensitzung nicht auf eine gemeinsame Resolution zu dem Streit einigen. Die Konfliktparteien erhoben unterdessen weiter schwere Vorwürfe gegeneinander, während Ecuador und Venezuela die Verlegung von Truppen an die Grenzen Kolumbiens fortsetzten. Der ecuadorianische Präsident bezeichnete den kolumbianischen Staatspräsidenten Alvaro Uribe als Chef einer "Schurken-Regierung".

Bei der mehr als zehnstündigen OAS-Sitzung in Washington prallten die Positionen kompromisslos aufeinander. Kolumbien warf Ecuador und Venezuela die Unterstützung der "FARC-Terroristen" vor und pochte auf sein Recht auf Selbstverteidigung. Die Vertreter Ecuadors, Venezuelas und anderer lateinamerikanischer Staaten wie Nicaragua, Bolivien und Argentinien verlangten hingegen eine Verurteilung der "Verletzung der Souveränität" Ecuadors durch die kolumbianischen Streitkräfte. Einigkeit zeichnete sich zunächst lediglich über die Einsetzung einer Untersuchungskommission ab. Die Sitzung sollte fortgesetzt werden.

Condoleeza Rice auf dem Weg nach Brasilien und Chile

Kolumbien wurde vor allem vom Vertreter der USA unterstützt. Zuvor hatte sich schon US-Präsident George W. Bush demonstrativ hinter Uribe gestellt und dessen "Führungsqualitäten" im Kampf gegen den internationalen Terrorismus gelobt. Kolumbien könne auf Hilfe der USA gegen die "provokativen Manöver" Venezuelas rechnen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice will in der kommenden Woche nach Südamerika reisen, um über die Spannungen zwischen Kolumbien und seinen Nachbarländern zu beraten. Eigentliches Thema der seit längerem anvisierten Reise seien aber die Wirtschaftsbeziehungen. (ml/dpa/AFP) 

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