Krise in der Ukraine : Kämpfe gehen weiter - Separatisten schießen Militärflugzeug ab

Im ukrainischen Konfliktgebiet gingen die erbitterten Gefechte zwischen Armee und Aufständischen mit unverminderter Härte weiter.

Ukrainische Truppen.
Ukrainische Truppen.Foto: dpa

Im ukrainischen Konfliktgebiet gingen die erbitterten Gefechte zwischen Armee und Aufständischen mit unverminderter Härte weiter. Die ukrainische Armee hat in der Separatistenhochburg Lugansk eine Polizeistation zurückerobert. Die Regierungseinheiten hätten vor dem Gebäude die Staatsflagge gehisst, teilte ein Militärsprecher am Sonntag mit. Innenminister Arsen Awakow sprach von einem „strategisch wichtigen Sieg“. Die prowestliche Führung in Kiew setze bei ihrer „Anti-Terror-Operation“ mittlerweile rund 10 000 Kämpfer gegen die prorussischen Aufständischen im Osten der Ex-Sowjetrepublik ein, sagte Awakow.
Lugansk ist aber weiter unter Kontrolle der Rebellen.

Erneut Militärflugzeug abgeschossen

Die Separatisten schossen im Raum Lugansk erneut ein Militärflugzeug vom Typ Mig-29 ab. Der Pilot habe sich per Schleudersitz retten können und sei vermutlich geborgen worden, sagte Militärsprecher Leonid Matjuchin in Kiew. Die Suche nach der Maschine sei im Gange. Die Aufständischen hatten im Kampf gegen Regierungstruppen immer wieder Jets sowie Kampfhubschrauber und Transportflugzeuge zerstört. Die ukrainische Regierung wirft den Separatisten auch vor, die malaysische Boeing 777-200 mit einer Rakete abgeschossen zu haben.

30 Panzer und 1200 neue Kämpfer

Einem ukrainischen Militärsprecher zufolge sollen in der vergangenen Nacht von russischem Territorium aus zudem drei Raketenwerfer vom Typ Grad in das von Separatisten kontrollierte Gebiet geschafft worden sein.
Die Separatisten in der Ostukraine erhalten nach eigener Darstellung militärische Unterstützung aus Russland. 30 Panzer sowie 1200 auf russischem Gebiet ausgebildete Kämpfer seien zur Verstärkung gekommen, verkündete ihr Anführer Andrej Sachartschenko in einem Video. Moskau dementierte diese Angaben. Die russische Regierung habe wiederholt gesagt, dass "keine Ausrüstung dorthin geschickt wird", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Sonntag dem Radiosender Goworit Moskwa. Zu Behauptungen der Rebellen, auch hunderte in Russland ausgebildete Kämpfer seien in die Ostukraine geschickt worden, äußerte sich der Sprecher nicht. Bei Kämpfen im Raum Donezk seien mindestens zehn Zivilisten getötet worden, teilte die Stadtverwaltung mit. Acht Menschen wurden verletzt. In Lugansk beschädigte Artilleriebeschuss viele Häuser.

Russischer Hilfskonvoi kommt langsam weiter

Im Streit um humanitäre Unterstützung für die Ostukraine erkannte die Führung in Kiew einen russischen Konvoi offiziell als Hilfslieferung an. Sozialministerin Ljudmila Denissowa bestätigte dem Internationalen Roten Kreuz, dass die Lastwagen insgesamt fast 2000 Tonnen Lebensmittel, Schlafsäcke und Generatoren transportieren, wie die prowestliche Regierung in Kiew mitteilte. Weiter unklar war, wann die etwa 280 Lastwagen den Grenzübergang Donezk/Iswarino durchfahren können. Das Rote Kreuz warte auf Sicherheitsgarantien für den Transport durch das umkämpfte ukrainische Territorium, hieß es.

Hilfe für Lugansk

Die weißlackierten Lastwagen waren am 12. August im Raum Moskau losgefahren und standen zum Großteil am Sonntag zunächst weiter etwa 30 Kilometer vor der Grenze bei Kamensk-Schachtinski. 16 der Fahrzeuge erreichten nach Medienberichten den Übergang Donezk/Iswarino und wurden dort geparkt. Moskau wirft Kiew aber vor, die Hilfe mit bürokratischen Hürden zu blockieren. Die Lieferung ist für die Stadt Lugansk bestimmt. Etwa 200 000 Einwohner sind in der Separatistenhochburg seit zwei Wochen ohne Versorgung. Die Ukraine lehne den russischen Hilfskonvoi nicht ab, betonte Außenminister Klimkin. Moskau müsse aber die Kontrolle über die Kolonne an der Grenze komplett dem Roten Kreuz übergeben.

Kiew will nicht in die Nato

Eine baldige Mitgliedschaft seines Landes in der Nato schloss Klimkin aus. Es gebe in der Ukraine zurzeit „keinen politischen und keinen gesellschaftlichen ?Konsensus dafür.“ Klimkin ist seit Juni im Amt, zuvor vertrat er sein Land zwei Jahre lang als Botschafter in Berlin.
In mehreren von der ukrainischen Armee zurückeroberten Orten stürzten Unbekannte unterdessen Statuen des Revolutionsführers Lenin. Die Täter hätten die Figuren mit Seilen zu Fall gebracht, teilte die Polizei mit. Viele Ukrainer sehen Denkmäler von Lenin als unerwünschtes Relikt der sowjetischen Vergangenheit ihres Landes. (mit dpa)

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