Krise in Mali : De Maizière kommt vor den Soldaten

Thomas de Maizière besucht das westafrikanische Krisenland und hat Zweifel, dass der Ausbildungseinsatz der Europäer in 15 Monaten zu schaffen sein wird.

Überleben in Gao. Eine Frau läuft an Einschusslöchern vorbei, die von der Befreiung der Stadt zeugen. Die deutschen Soldaten werden nicht so weit im Norden eingesetzt werden.
Überleben in Gao. Eine Frau läuft an Einschusslöchern vorbei, die von der Befreiung der Stadt zeugen. Die deutschen Soldaten...Foto: REUTERS

Es ist heiß in Mali. 42 Grad. Träge fließt der Niger durch die Hauptstadt Bamako. In der Ferne flimmert der Hügel, von dem der jüngste Einsatzort der Bundeswehr seinen Namen hat: Koulikoro („Unten am Berg“). Doch bald wird es in der kleinen Stadt an Afrikas drittlängstem Fluss mit der Ruhe vorbei sein. In wenigen Tagen beginnt die Europäische Union hier mit ihrer Ausbildungsmission für die Armee des westafrikanischen Landes. Auch mehr als 80 Soldaten aus Deutschland werden dabei sein.

Doch noch ist in Mali von der Bundeswehr nicht viel zu bemerken, sieht man einmal von Verteidigungsminister Thomas de Maizière ab und den Herren, die an seiner Seite in der Wüstenuniform („Tropen-Flecktarn, heiß, trocken“) unterwegs sind, die die deutschen Streitkräfte für solche Klimaverhältnisse im Bestand haben: ein Truppenbesuch, noch bevor die Truppe richtig da ist.

Bislang sind in Bamako und in Koulikoro, 65 Kilometer weiter oben am Fluss, nur ein Dutzend deutsche Planer vor Ort. Erlaubt sind durch zwei Bundestags-Mandate maximal 330 Soldaten. Als erste werden in dieser Woche 40 Sanitäter erwartet, die in Koulikoro ein Feldlazarett aufbauen. Mitte April kommen 40 weitere deutsche Soldaten, die sich um die Ausbildung von Pionieren kümmern sollen. Jetzt schon im Einsatz sind 90 Soldaten, die aus dem Nachbarland Senegal mit vier Flugzeugen logistische Hilfe leisten.

Aber in Mali selbst ist de Maizière gewissermaßen sein eigenes Vorauskommando. Der CDU-Politiker ist das erste Mal in Mali. De Maizière macht keinen großen Hehl daraus, dass auch er im Augenblick noch mehr Fragen als Antworten hat. Angefangen damit, dass keiner weiß, wen man hier eigentlich ausbilden wird: Soldaten, die jetzt schon in Malis vielleicht 5000 Mann starker Armee sind? Oder neue Rekruten? Wahrscheinlich wird es eine Mischung aus beiden.

Von den Gefechten, die sich 4000 französische Soldaten weit im Norden an der Grenze zu Algerien mit islamistischen Milizionären liefern, bekommt man im Süden kaum etwas mit. Trotzdem ist de Maizière überzeugt davon, dass der Einsatz auch in deutschem Interesse ist. „Die Terroristen haben sich den Norden Malis unter den Nagel gerissen – ein Gebiet, das dreimal so groß ist wie Deutschland. Das kann die Völkergemeinschaft nicht tatenlos hinnehmen.“ Zudem bedeuten die mehr als tausend Kilometer Entfernung zur Front keineswegs, dass die 80 Deutschen und die 470 anderen EU-Ausbilder in Koulikoro sicher sind. Angst hat man hier vor allem vor Selbstmord-Anschlägen der Islamisten.

„Wir müssen gewappnet sein“, sagt de Maizière nach einem Treffen mit dem Übergangspräsidenten Diancounda Traoré. „Das wird kein Spaziergang.“ Er mutmaßt recht offen, dass die Ausbildungsmission länger dauern wird als das eine Jahr, das vom Bundestag bislang bewilligt ist, oder die 15 Monate, die die EU bislang vorgesehen hat. „Wie lange das dauern wird, weiß im Moment niemand.“

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