Krise in Mali : Tuareg erklären sich unabhängig

Nach der Einnahme mehrerer strategisch wichtiger Städte haben die Tuareg-Rebellen am Freitag die Unabhängigkeit des Nordens von Mali ausgerufen. Der Norden Malis ist komplett in der Hand der Rebellen.

Junge Leute im Norden Malis protestieren gegen die Besetzung durch Tuareg-Rebellen. Sie wollen auch nicht Teil des eben ausgerufenen Tuareg-Staates Azawad sein.
Junge Leute im Norden Malis protestieren gegen die Besetzung durch Tuareg-Rebellen. Sie wollen auch nicht Teil des eben...Foto: AFP

Ihr neuer demokratischer Staat in Westafrika werde Azawad heißen, teilte die Rebellen-Gruppe MNLA mit. Die Afrikanische Union und die Europäische Union lehnen eine Anerkennung des Staates ab.

Die aufständischen Tuareg hatten in den vergangenen Tagen ein riesiges Gebiet im Norden unter ihre Kontrolle gebracht. Dabei waren Waffen und Kämpfer aus Libyen im Einsatz. In der Wüstenzone, die größer als Frankreich ist, liegen auch der alte Handelsposten Timbuktu und Gao, wo jetzt die Unabhängigkeit erklärt wurde. Die Rebellen hatten von der Unruhe durch einen Putsch in der Hauptstadt Bamako im Süden des Landes profitiert: Dort wollten Offiziere mit einem Staatsstreich gegen Präsident Amadou Toumani Touré am 22. März nach eigenen Aussagen eigentlich den Kampf gegen die Tuareg vorantreiben, die seit Jahrzehnten nach einem eigenen Staat streben.

Der neue Staat solle im Einklang mit den Grundsätzen der Vereinten Nationen stehen, erklärten die Tuareg-Rebellen. Alle Grenzen mit den Nachbarländern würden anerkannt. Algeriens Ministerpräsident Ahmed Ouyahia sagte der französischen Zeitung „Le Monde“, sein Land werde nicht akzeptieren, dass die territoriale Integrität Malis infrage gestellt werde. Am Donnerstag waren in Gao sechs algerische Diplomaten verschleppt worden. Die islamistische Gruppe Ansar Dine bekannte sich zu der Tat.

Frankreich erklärte, eine Unabhängigkeitserklärung, die von den anderen afrikanischen Staaten nicht anerkannt werde, habe für die Regierung in Paris keinerlei Bedeutung. Einen Militäreinsatz schloss die Regierung aus. Es müsse eine politische Lösung mit den Rebellen geben, sagte Außenminister Alain Juppé. Er forderte zudem eine bessere Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus. Mali ist eine ehemalige französische Kolonie, die 1960 unabhängig wurde. rtr/AFP

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