Politik : Krise zwischen Israel und Ägypten

Nach dem Tod von fünf Kairoer Grenzpolizisten / Arabische Liga verurteilt Angriffe auf Gazastreifen

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Volkszorn. Ägyptische Demonstranten verbrennen vor der israelischen Botschaft in Kairo die Flagge des Nachbarlandes. Foto: AFP Foto: AFP
Volkszorn. Ägyptische Demonstranten verbrennen vor der israelischen Botschaft in Kairo die Flagge des Nachbarlandes. Foto: AFPFoto: AFP

Der Tod ägyptischer Grenzpolizisten hat zur schwersten diplomatischen Krise zwischen Israel und Ägypten seit dem Sturz von Machthaber Hosni Mubarak geführt. Die Übergangsregierung in Kairo bezeichnete die Reaktion des Nachbarlands Israel auf den Vorfall am Sonntag als unzureichend. Die Arabische Liga in Kairo kritisierte derweil Israel wegen der jüngsten Angriffe auf den Gazastreifen scharf.

Hohe israelische Beamte reisten am Sonntag nach Kairo und versuchten, die Spannung abzubauen. Die Beamten sollen wohl auch den Rahmen für eine gemeinsame Untersuchung über den Tod der fünf ägyptischen Grenzpolizisten aushandeln, die während des palästinensischen Terrorüberfalles entlang der ägyptisch-israelischen Grenze am Donnerstag ums Leben gekommen waren. Der ägyptische Botschafter in Tel Aviv bleibt vor Ort, nachdem ursprünglich Kairo dessen Abzug angekündigt und eine israelische Entschuldigung gefordert hatte. Massiver Druck der US-Behörden und intensive diplomatische Bemühungen verhinderten, dass der Botschafter aus Israel abgezogen wurde. Zuvor hatte Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sein Bedauern über den Tod der fünf Grenzpolizisten ausgesprochen.

Vor der israelischen Botschaft in Kairo demonstrierten in der Nacht zum Sonntag wieder tausende Menschen. Laut Augenzeugen beschossen sie mit Feuerwerkskörpern die israelische Flagge auf dem Gebäude und holten sie später vom Dach herunter. Die Militärpolizei löste die Demonstration nicht auf, zwei Generäle versuchten jedoch die Teilnehmer zu beruhigen.

Nach wie vor verlangen die Ägypter eine offizielle Entschuldigung von Israel. Die Regierung in Tel Aviv scheint dazu zumindest so lange nicht bereit zu sein, bis das Untersuchungsergebnis vorliegt. In der vergangenen Woche hatte die Jerusalemer Regierung es endgültig abgelehnt, sich für den Tod von neun türkischen Aktivisten zu entschuldigen, die im vergangenen Jahr bei der Enterung des türkischen Blockadebrecher-Schiffes „Mavi Marmara“ durch ein israelisches Marinekommando umgekommen waren. Die türkische Regierung hatte eine solche Entschuldigung verlangt.

Bei der Jerusalemer Regierung und im Armee-Hauptquartier legt man Wert auf die Feststellung, dass die Umstände, unter denen die Grenzpolizisten umgekommen sind, nach wie vor vollkommen unklar seien. Sicherlich seien sie von israelischer Seite nicht absichtlich getötet worden. Möglicherweise seien auch palästinensische Terroristen für den Tod der Grenzpolizisten verantwortlich.

Unterdessen hielten die Kampfhandlungen um den Gazastreifen über das Wochenende an. Die Eskalation war am Donnerstag von einer Serie palästinensischer Terrorüberfälle im Süden Israels ausgelöst worden. Auch über das gesamte Wochenende lösten sich massive israelische Vergeltungsschläge und intensiver palästinensischer Raketenbeschuss in und um den Gazastreifen ab. In zunehmendem Maß werden unschuldige Zivilisten auf beiden Seiten zu Opfern der Auseinandersetzungen. So wurde am Sonntag bei einem israelischen Luftangriff eine Kindergruppe in Beit Lahiya, der nördlichsten Stadt im Gazastreifen, getroffen und ein 12-Jähriger schwer verletzt. Die Palästinenser verzeichneten eigenen Angaben zufolge 14 Todesopfer. In Israel wurde das einzige Todesopfer der über 100 Raketenangriffe in der Stadt Beer Sheva zu Grabe getragen.

Die Arabische Liga verurteilte die Angriffe Israels auf den Gazastreifen. Die Organisation forderte bei einer Sondersitzung in Kairo die internationale Gemeinschaft auf, „Druck“ auf Israel auszuüben, die Angriffe „sofort zu beenden“, wie es in einer Erklärung hieß. Der UN-Sicherheitsrat müsse „seiner Verantwortung gerecht werden und schnell die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um dieser brutalen Aggression ein Ende zu setzen“.

Am Sonntagabend einigten sich die wichtigsten Palästinensergruppen im Gazastreifen nach Angaben der dort regierenden Hamas-Organisation darauf, im Kampf gegen Israel die Waffen ruhen zu lassen. Die Gruppen hätten eine „informelle Vereinbarung über die Einrichtung eines Waffenstillstands“ geschlossen, sagte ein Hamas-Vertreter. Die Waffenruhe solle ab der Nacht zum Montag gelten, vorausgesetzt, Israel beende seine Angriffe auf die Palästinenser. mit AFP

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