Krisengebiet : Täglicher Kampf ums Überleben in Somalia

In Somalia leben rund sieben Millionen Menschen, von denen mehr als 70 Prozent keinen Zugang zu Medikamenten noch sauberem Trinkwasser haben. Auf diese alarmierende Situation in dem ostafrikanischen Staat machte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Berlin aufmerksam.

Felicia Bryson

BerlinOrganisationen wie Ärzte ohne Grenzen, das Rote Kreuz und Brot für die Welt sind in diesen Krisengebieten aktiv, um eine – wie die UN es bewerteten – Hungersnot vom Ausmaß jener in Äthiopien in den frühen 90er Jahren zu verhindern. Damals starben Hunderttausende.

In Somalia aber wird die Perspektive für die Hilfsprojekte durch den mittlerweile seit 17 Jahren andauernden Bürgerkrieg zwischen den vielen Splittergruppen immer ungewisser. In den vergangenen Monaten hat sich die Situation drastisch zugespitzt. Angehörige von Hilfsorganisationen werden täglich mit Schießereien, Granateneinschlägen und Vertreibungen konfrontiert, was dazu führte, dass sie ihre Projektarbeit in den Städten Kismayo und Bossasso aufgaben. „Die Gewalt, unter der die Somalis leiden und vor der sie fliehen, zwingt auch die Helfer zum Rückzug. Bei einem gezielten Anschlag in Kismayo verloren wir im Januar drei unserer Kollegen“, sagte Frank Dörner, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen. Vor einigen Wochen wurde der stellvertretende Direktor der Organisation Hilfe für Alle, Mohamed Kheire, von unbekannten Rebellen in der Hauptstadt Mogadischu ermordet, wo sich die Gewalt besonders zuspitzt.

Seit dem Fall des autoritären Regimes von Siad Barre 1991 gibt es keine funktionierende Regierung mehr im Land, was den vielschichtigen Konflikt zwischen den Clans verstärkt hat und eine generelle Anerkennung der Hilfsorganisationen und somit die Versorgung von tausenden Gewaltopfern verhindert. Im vergangenen Jahr griffen äthiopische Truppen ein, als sie der somalischen Übergangsregierung halfen, islamische Rebellen zu verdrängen. Wegen dieser, für die Hauptstadtbewohner lebensbedrohlichen Situation sind in den vergangenen zwei Monaten mehr als 33 000 Menschen vertrieben worden. Sie leben jetzt in selbst gebauten, provisorischen Hütten außerhalb der Stadt, die keinen Schutz vor Regen bieten. Wegen der katastrophalen sanitären Bedingungen breiten sich Durchfallerkrankungen, Malaria und Tuberkulose aus. Felicia Bryson

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