Krisenplan für die Ebolahilfe : Was Deutschland tun kann

Der Mikrobiologe Alexander Kekulé hat einen Plan, wie Deutschland den westafrikanischen Staaten in der Ebola-Krise helfen könnte. wie sieht sein Vorschlag aus?

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Ein Mädchen sitzt weinend vor einem Ebola-Behandlungszentrum in der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Ihre Mutter und ihr Vater sind an der Seuche gestorben.
Ein Mädchen sitzt weinend vor einem Ebola-Behandlungszentrum in der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Ihre Mutter und ihr Vater...Foto: AFP

Auf die Frage, wie Deutschland in der Ebola-Krise helfen kann, hat Alexander Kekulé, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle (Saale), eine Antwort. Gefragt hat ihn das Auswärtige Amt. Kekulés Vorschlag ist ziemlich konkret und, wie er meint, auch schnell umsetzbar.

In Deutschland gibt es insgesamt neun spezialisierte Behandlungsstationen für hoch ansteckende Krankheiten wie Ebola. Dort arbeiten nach Kekulés Schätzung 500 Spezialisten, darunter 90 Ärzte. Außer im Hamburger Bernhard-Nocht-Institut ist aber in keiner dieser Stationen bisher je ein Ebola-Kranker behandelt worden. Diesem Personal würde Kekulé gerne ermöglichen, zu helfen und sein erlerntes Wissen in der Praxis einzusetzen. Das will er nun dem Auswärtigen Amt und der EU-Kommission vorschlagen.

Damit die deutschen Ebola-Spezialisten tatsächlich in Westafrika eingesetzt werden könnten, müssten nach Kekulés Einschätzung vier Bedingungen gegeben sein. "Die Krankenhäuser brauchen eine Kompensation", sagt Kekulé, denn ihnen würde das Personal während des Einsatzes fehlen. Zudem müsse die Regierung für die Experten bürgen - "keine Versicherung zahlt für einen solchen Einsatz". Darüber hinaus müssten die Experten sicher sein, dass sie im Falle einer Erkrankung nach Deutschland ausgeflogen und dort behandelt werden. Dafür sei die Hilfe der Bundeswehr nötig, und die werde auch gebraucht, um Hilfsgüter in die betroffenen westafrikanischen Länder zu schaffen.

Sollten die deutschen Experten in Afrika zum Einsatz kommen, müssten sie nach Kekulés Einschätzung "das Konzept der Ärzte ohne Grenzen kopieren". Die Hilfsorganisation sei derzeit die einzige Organisation, die ein erprobtes und standardisiertes Verfahren für den Umgang mit Ebola habe.

Alexander Kekulé wünscht sich eine "humanitäre Eingreiftruppe"

Bisher haben deutsche Virologen und Mediziner vor allem bei der Diagnostik in einem von drei europäischen mobilen Laboren geholfen. Ebola-Forscher haben den Ursprung des Krankheitsausbruchs untersucht, und aus dem inzwischen ziemlich leeren Etat für humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amts sind bereits rund zehn Millionen Euro an Hilfsorganisationen überwiesen worden, eingeplant sind bisher 17 Millionen Euro.

Für die Zukunft wünscht sich Kekulé: "Wir sollten aus der Krise lernen." Er regt an, auf EU-Ebene eine "humanitäre Eingreifgruppe" aufzubauen. Die klassischen Krisenstäbe im Auswärtigen Amt hätten eher die Funktion, Deutsche im Ausland zu schützen und sie im Notfall zu befreien. Für sicherheitspolitische Krisenlagen gibt es auch in der EU den Versuch, eine schnelle Eingreiftruppe aufzubauen. Für humanitäre Notlagen fehle eine solche Einheit.

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